Kampfwahlen im Bergdorf – gleich drei sagen: «Wier schtäänt für Vals»

Die Valser Gemeindeversammlung hat am Freitagabend wortwörtlich die Wahl. Für die Nachfolge von Gemeindepräsident Stefan Schmid stehen nicht weniger als drei Kandidierende in den Startlöchern.

 

Eine Ära geht zu Ende: Zwölf Jahre lang hat Stefan Schmid die Geschicke der Gemeinde Vals geleitet – jetzt muss er wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten.
Eine Ära geht zu Ende: Zwölf Jahre lang hat Stefan Schmid die Geschicke der Gemeinde Vals geleitet – jetzt muss er wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten.

Man könnte die Ausgangslage im Vergleich zu vielen anderen Bündner Gemeinden schon fast luxuriös nennen. Bei den Kommunalwahlen vom Freitagabend treten für die fünf Sitze in der Exekutive von Vals insgesamt zehn Personen an, drei davon für das Präsidium, sieben als reguläre Mitglieder des Gemeindevorstands, der in Vals Gemeinderat heisst. An der Spitze der Exekutive gilt es Stefan Schmid zu ersetzen, der nach zwölf Jahren infolge Amtszeitbeschränkung zurücktreten muss. Wer für die Nachfolge wirklich kandidiert, das wird in Vals prozedurbedingt eigentlich erst kurz vor dem Wahltag bekannt. Und im aktuellen Fall sind es nicht weniger als drei, die in der dorfüblichen Redewendung sagen, «wier schtäänt für Vals»: Othmar Berni, Rita Schmid und Pius Walker.

 

Alle drei sind im Dorf keine Unbekannten

 

Im Dorf sind alle drei Kandidierenden keine Unbekannten. Berni, Treuhänder mit eigener Firma, hat früher unter anderem der Hoteba-Kommission angehört, jenem Gremium, das sich strategisch um das damals noch in Gemeindebesitz befindliche Thermehotel gekümmert hat. Von 2006 bis 2010 – bis zum Verlust des dritten Sitzes für den Kreis Lugnez – war der Valser für die einstige CVP Mitglied des Grossen Rats. Schmid wiederum ist Juristin und Organisationsberaterin; nach vielen Berufsjahren im Raum Zürich, wo sie unter anderem bis heute die Stiftung für die Erforschung der Frauenarbeit präsidiert, hat sie ihren Lebensmittelpunkt inzwischen wieder in ihr Heimatdorf zurückverlegt. Der gebürtige Urner Walker schliesslich hat sich einen Namen gemacht als Holzbildhauer, Trockenmauerspezialist und Förderer der Walserkultur im Dorf; er ist verheiratet mit der ehemaligen Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz. Er und Schmid gehören zudem der Gruppierung Zukunft Vals an, einer Interessengemeinschaft «zur Förderung des politischen Austauschs».

 

Walker: «Wollte Bewegung in die Sache bringen»

 

Was hat die drei Antretenden dazu bewogen, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen? Bereits im Januar Interesse angemeldet hat Walker, «ich wollte etwas Bewegung in die Sache bringen», begründet er seinen für Valser Gepflogenheiten ungewöhnlich früh offen kommunizierten Entscheid. «Ich finde es wichtig, dass sich etwas bewegt und dass Diskussionen entstehen. Dass es Konkurrenz um das Amt gibt. Und dass die Leute wieder mehr Lust haben, Vals mitzugestalten.» Die Gemeinde, meint Walker, habe es in den letzten Jahren geschafft, auf Rang eins der pro Kopf höchstverschuldeten Gemeinden im Kanton aufzusteigen, und das «bei weitem». Da gelte es anzusetzen.

 

Schmid: «Herausforderungen gemeinsam bewältigen»

 

Als Zweite ins Rennen gestiegen ist Juristin Schmid. Ihr schwebe eine andere, partizipativere Form der Gemeindeführung als heute vor, «auch ausserhalb der Gemeindeversammlung», erklärt sie. Wo die guten Lösungsansätze für die Zukunft zu orten seien, das müsse man mit möglichst allen Anspruchsgruppen im Dorf herauszufinden versuchen. «Es gibt schon ein paar Herausforderungen», so Schmid, «und die kann man nur gemeinsam bewältigen.» Vals müsse für die Einheimischen «attraktiv, lebenswert und lebendig» bleiben – und wenn das gelinge, sei der Ort auch attraktiv für die Gäste.

 

Berni: «Kann viel an Erfahrung und Wissen einbringen»

 

Erst seit Ende der Nominierungsfrist Anfang dieser Woche definitiv bekannt ist die Kandidatur von Treuhänder Berni. «Die Gemeinde hat in den nächsten Jahren in wichtigen Angelegenheiten zu entscheiden», stellt er fest – zum Beispiel in der Raumplanung oder beim Heimfall der Kraftwerke Zervreila. «Ich habe das Gefühl, dass ich da viel an Erfahrung und Wissen einbringen kann. Als Dienst an der Gemeinde.» Er habe lange überlegt, ob er antreten solle oder nicht, habe sich dann aber dafür entschieden – auch deshalb, weil er von vielen dazu ermuntert worden sei.

 

Wer von den dreien nun in der Gunst der Wählerschaft vorne liegt, wird sich am Freitagabend zeigen. Auch bei den weiteren Sitzen im Vorstand: Für sie kandidieren die Bisherigen Kevin Stoffel, Brigitte Berni-Frei und Jürg Tönz sowie neu Kaspar Berni, Erika Furger-Mittner, Sabina Furger und Bernhard Schlegel.

 

 

Donnerstag, 16. Mai  2024 / Quelle: Südostschweiz 

 

 

 

 

Neue Aufzüge für das Haus Tomül

Während mehr als 50 Jahren hat die alte Liftanlage stets ihren Dienst verrichtet. Nun erfreut sich das Haus Tomül über zwei neue Aufzüge in edler Ausführung und Rollstuhlgängig.

 


 

 

Freitag, 12. Januar  2024 / Quelle: Webmaster

 

 

 

 

Mann stürzt in Vals über 40 Meter in die Tiefe und stirbt

Am Montagnachmittag ist in Vals ein Mann in einem Steinbruch 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Noch vor Ort erlag er seinen Verletzungen.

 

Ein 56-Jähriger war zusammen mit weiteren Arbeitern oberhalb einer Abbruchkante in Vals mit Bohrarbeiten beschäftigt. Gemäss ersten Erkenntnissen wollte er kurz nach 15.30 Uhr ein abschüssiges und schneebedecktes Gelände überqueren. Dabei wurde der Mann von einem Schneerutsch erfasst, welcher ihn über 40 Meter in die Tiefe riss, wie die Kantonspolizei Graubünden in einer Medienmitteilung schreibt.

 

Trotz sofortiger Erstversorgung durch Sanitäter, einen Notarzt, einem Team des Rettungsdienstes Surselva sowie einer Rega-Crew verstarb der Mann vor Ort. Zusammen mit der Staatsanwaltschaft klärt die Kantonspolizei Graubünden den genauen Hergang dieses Arbeitsunfalls ab.

 

 

Dienstag, 12. Dezember  2023 / Quelle: Südostschweiz 

 

 

 

 

Liebes­grüsse aus der Küche

Im Restaurant Silver in Vals bekommt der Gast ein kulinarisches Spektakel in acht Akten geboten. In der Hauptrolle: ein Liebespaar – in der Branche keine Seltenheit.

 

Gastgeberin Franziska Woelfle ist laut ihrem Partner eine «talentierte Problemlöserin». Über den Küchenchef Marcel Koolen sagt seine Partnerin, er sei ein «humorvoller Entspannungsmensch».
Gastgeberin Franziska Woelfle ist laut ihrem Partner eine «talentierte Problemlöserin». Über den Küchenchef Marcel Koolen sagt seine Partnerin, er sei ein «humorvoller Entspannungsmensch».

 

 

«Einmal Hamachi, please», ruft Marcel Koolen. «Jawohl!», antworten seine Köche unisono. «Thank you», erwidert der Spitzenkoch.

Der Holländer leitet das Restaurant Silver in Vals GR. Zuhinterst im Tal, nach dem Dorf kommen nur noch abgelegene Alphütten und eine Schafzucht. Das hindert die Gourmets nicht daran, auch am Donnerstag hierherzufahren.

 

Seit März dieses Jahres leitet Marcel Koolen das Spitzenrestaurant des Hotels 7132. Er trete in grosse Fussstapfen, liest man immer wieder. Auf die Frage, wie gross denn die Schuhnummer ist, muss der 33-Jährige lachen. Vor ihm kochte hier Mitja Birlo, der wiederum auf Sven Wassmer gefolgt war.

 

Beide haben das Tal für steile Karrieren verlassen: Birlo, der im Silver zum Koch des Jahres 2022 ernannt wurde, kocht ab Dezember in der Brasserie Süd im Hauptbahnhof Zürich. Sven Wassmer ist das Gesicht im Memories im Grand Resort Bad Ragaz und der neueste 3-Sterne-Koch der Schweiz.

 

Arbeit auf Augenhöhe

 

In Vals nimmt der Abend seinen Lauf. Wenn sich die Gäste ab 18 Uhr ins Silver setzen, hat die Küchenbrigade bereits einen ganzen Arbeitstag hinter sich. Um 11 Uhr fängt das Mise en Place an, um 16.45 Uhr wird die Küche einmal durchgeputzt, und das sechsköpfige Team setzt sich an den den Personaltisch. Dort ist auch Franziska Woelfle, die Partnerin von Marcel Koolen. Sie ist Gastgeberin und Sommelière im Silver. Um 17.45 Uhr startet das Briefing, welche Gäste Allergien haben und in welcher Sprache an den Tischen annonciert wird.

 

Woelfle und Koolen tragen ihr Herz auf der Zunge. So erfährt man – zumindest wenn man in der Küche am Chef’s Table sitzt – schnell ihre Liebesgeschichte. Alles begann vor drei Jahren: «Wir starteten am gleichen Tag. Marcel brachte mich von allen am meisten zum Lachen», sagt Franziska Woelfle. Damals war sie als Praktikantin fürs Frühstück zuständig und stiefelte gegen 20’000 Schritte in den weitläufigen Restaurants ab. Marcel Koolen war als Jungkoch bei Mitja Birlo in der Silver-Küche tätig. «Mir gefiel Franzis Arbeitseinstellung und wie gut sie mit Kritik umging.»

 

Heute arbeiten sie auf Augenhöhe: Während Koolen für den Inhalt der Teller zuständig ist, füllt Woelfle die Gläser. Nicht nur mit Wein, sondern mit selbst gemachten Getränken. Mit Kombucha beispielsweise, der reift gerade und ist noch nicht servierbereit. Sie holt das Einmachglas und stellt den Kefir auf den Tisch. «Daheim haben wir unsere eigene Version, mit Basilikum, Minze und Chili», ruft Koolen durch die Küche. So experimentell können sie bei den Silver-Gästen nicht sein. Schliesslich soll Koolens Gericht ergänzt und nicht übertönt werden.

 

Sake, Yuzu, Shiso

 

Wie sich die beiden ergänzen, lässt sich an der ersten Vorspeise erkennen. Franziska Woelfle serviert Sake, Yuzu und hausgemachten Shiso-Sirup. Shiso wird als japanische Minze bezeichnet. Der Cocktail riecht nach Waldblumen, würden dort denn welche wachsen. Und nach Marzipan. «Das kommt vom Mandelkern-Likör», verrät Woelfle.

 

Dazu serviert Marcel Koolen dänischen Hamachi, einen Salzwasserfisch, als Sashimi aufgeschnitten, an einer leicht pikanten Jalapeño-Sauce, mit Gurkensalat an fermentiertem Yuzu-Schaum, gepufftem Amaranth und Kaviar. Und ein Schälchen Chawanmushi – japanischer Eierstich – mit einer vollmundigen Dashi.

 

Derweil wird bereits der letzte Hamachi des Abends abgerufen und angerichtet. Das heisst: Alle Gäste des Abends sind nun ins achtgängige Menü gestartet. Es ist 20.24 Uhr, drei Stunden bis Feierabend.

 

Liebe geht über den Pass

 

Solche Arbeitszeiten erschweren es Gastromitarbeitenden, neben der Arbeit Menschen kennen zu lernen. Ausser eben: in der eigenen Branche. So kommt es nicht von ungefähr, dass Liebespaare gemeinsam in Gastroprojekten arbeiten. Einige sehr erfolgreich: Der Vorgänger von Koolen und Woelfle, Mitja Birlo, hat bereits im Silver mit seiner Freundin gearbeitet. Mittlerweile haben sie geheiratet, und Florentina Birlo wird Gastgeberin und Sommelière am «The Counter» in der Brasserie Süd sein.

 

 

Mittlerweile sind alle Silver-Köche in der warmen Küche. Pinzette raus, Pipette auch. Im Glas hat Franziska Woelfle einen Shrub (essiggesäuerter Fruchtsirup) eingeschenkt und mit Weissbier aufgefüllt. Dazu gibt es Oktopus mit frittiertem Kombu, fermentierte Peperoni und tiefgründiges Korianderöl.

 

Immer wieder werden Gänge abgerufen, gerade verlassen zwei Turbot und zwei Lebern die Küche. Es ist 21.02 Uhr, Technomusik hallt durch die Küche. Chris Klaassen – die rechte Hand von Koolen – wendet Wagyu-Entrecote für die ersten Hauptgänge auf dem Grill.

 

Sternekoch mimt den Patissier

 

Pannen gibt es an diesem Abend praktisch keine: Heute landete einzig ein wenig Himbeersauce auf dem Boden, einmal hat der Service das diskrete Glöcklein im Lokal vorne nicht gehört. An neun von zehn Tagen gehe nichts schief und werde nicht gestritten, erzählt Koolen. «Schwieriger wird es um Weihnachten, wenn wir ohne Freitage durcharbeiten», sagt er. Gefühle bei der Arbeit abzustellen, sei schwierig; doch hier fühlt sich das Paar primär als Arbeitskollegen.

 

Ein Gericht ums andere verlässt die Küche. Um 22 Uhr ist sie plötzlich leer. Eine kurze Verschnaufpause oder Zufall? Der Abwascher Nico Schwannecke füllt bereits wieder die Regale mit sauberem Geschirr auf.

 

Marcel Koolen ist wieder da. Pfeifend misst er Rahm ab, heute ersetzt er die Patissière, weil sie krank ist. Die ersten Pre-Desserts und Desserts sind parat. Bereits wird geputzt, es dampft. Alle werden langsam übermütig, sie erinnern an müde Kinder. Es ist 22.14 Uhr, draussen sind noch nicht alle Gäste mit den salzigen Gängen durch. Chris Klaassen hat noch zu tun und wendet stoisch die Wagyus.

 

Franziska Woelfle sieht man selten in der Küche, sie füllt im Lokal weiter Weingläser. Wenn die beiden für sich eine Date-Night planen, verbringen sie sie ebenfalls in einem Sternelokal, wie Woelfle verrät. Um 22.18 Uhr flutet Chris Klaassen seine Station. Im Verlaufe des Abends wird das «Jawohl» immer lang gezogener.

 

Um 22.30 Uhr wird das letzte Pre-Dessert bestellt. Es klingt, als würden alle aufatmen, ohne das Putzen zu unterbrechen. Um 22.41 Uhr ist die erste Schürze weg. Gleich darauf gehen die zwei letzten Desserts raus. Der erste Kellner geht nach Hause, klatscht noch mit Marcel Koolen ab. Eine kulinarische Aufführung in acht Akten. Bloss der Applaus bleibt aus.

 

Zwei Stunden später wird Franziska Woelfle bereits mit dem Auto heimgefahren sein. Marcel Koolen lüftet seinen Kopf bei einem Spaziergang durchs Dorf aus. Daheim plumpst er allerdings nicht aufs Sofa. Er steht an den Herd und kocht für seine Franzisksa ein gesundes Mittagessen für den nächsten Tag.

 

 

Freitag, 24. November  2023 / Quelle: Tagesanzeiger 

 

 

 

 

 

Coca-Cola hat das Valser Wasser nicht amerikanisiert

Wasser ist auch ein emotionales Gut. Heute wie vor 20 Jahren, als Coca-Cola im Bündnerland die Valser-Anlagen kaufte.

 

Für Gemeindepräsident Stefan Schmid gehört das Wasser nach Vals. Vor elf Jahren übernahm er das Amt nach einer turbulenten Zeit: Kontroversen über die Weiterentwicklung der Therme und Schlagzeilen über den Verkauf der Valser Mineralquelle. Der Verkauf sei vor allem medial ein grosses Thema gewesen, sagt Schmid.

 

Der schlichte Produktionsbau liegt vor dem Ort. Auf dem Gebäude der Valser-Schriftzug plus Schweizerkreuz. Die Amerikanisierung, die mit dem Einstieg von Coca-Cola im Jahr 2002 befürchtet wurde, fand nicht statt. Für Erwin Berni, fast drei Jahrzehnte für Valser tätig, ist das logisch: Coca-Cola habe die Infrastruktur, das Gebäude, die Abfüllanlagen gekauft. Die Quelle gehöre als öffentliches Gewässer der Gemeinde. Coca-Cola bezahlt für jeden verkauften Liter Konzessionsgebühren an die Gemeinde – mehr als vor der Übernahme.

 

«Erstes» Mineralwasser für Coca-Cola in Europa

 

Die Quellfassung liegt am gegenüberliegenden Hang. Das Wasser tritt warm aus dem Berg, ist also eine Thermal- wie auch eine Mineralquelle. Für Coca-Cola war es die erste Mineralquelle in Europa. Weitere folgten, sodass der Konzern heute mit den gleichen Slogans für verschiedene Mineralwasser wirbt.

 

Abfüll- und Verpackungsanlage des Valser Wassers. Der überwiegende Teil aller in der Schweiz erschlossenen Mineralwasser fliesst in den heimischen Konsum.
Abfüll- und Verpackungsanlage des Valser Wassers. Der überwiegende Teil aller in der Schweiz erschlossenen Mineralwasser fliesst in den heimischen Konsum.

 

 

Natürlich überwogen damals die Hoffnungen, dass die Arbeitsplätze bleiben und ausgebaut werden. Das grosse Wachstum blieb allerdings aus. Valser entwickelte sich auch nicht zum Exportschlager im umkämpften Mineralwassermarkt.

 

Eine neue stille Quelle

 

Erwin Berni, der heute für die Arbeitssicherheit im Betrieb zuständig ist, sagt es so: «Wenn Coca-Cola nicht gekommen wäre, wären wir wohl kleiner geworden. Und so sind wir stabil geblieben, auch die Volumen. Das sind immer noch um die 90 Millionen Liter, die wir jährlich abfüllen.» Inzwischen habe die Besitzerin Coca-Cola investiert. In effizientere Abläufe im Betrieb etwa und vor einem Jahrzehnt in die Konzession einer zweiten Quelle. Da dieses Wasser weniger lang im Berg und weniger mineralisiert ist, eignet es sich für das stille Valser Wasser. Laut Erwin Berni ist die Nachfrage hier gewachsen.

 

Valser pumpt kein Wasser hoch, sondern nimmt, was aus dem Berg tritt.

 

Gut möglich, dass es künftig weitere Quellfassungen braucht. Gemeindepräsident Schmid stellt fest: «Man muss sich Gedanken machen zum Klimawandel, zur Wassernutzung. Valser nutzt die Quelle nachhaltig – sie pumpt kein Wasser hoch, sondern nimmt, was aus dem Berg tritt.»

 

Von einer zu grossen Abhängigkeit wollen weder Valser-Mitarbeiter Berni noch Gemeindepräsident Schmid sprechen. Schlagzeilen über den Verkauf anderer Mineralquellen bereiten ihnen keine schlaflosen Nächte. Denn sie wissen: Die mediale Aufregung legt sich wieder. Im Berner Oberland haben Mitte Jahr verschiedene Sportgrössen das Adelbodner Mineralwasser gekauft. Im Wallis entbrannte eine Kontroverse um eine Quelle in Turtmann, weil ein chinesischer Investor daran interessiert war.

 

Wasserimporte legen zu

 

Die Menschen in der Schweiz trinken gerne Mineralwasser. Fast 980 Millionen Liter waren es letztes Jahr oder über 110 Liter pro Kopf, wie der Schweizer Mineralwasser-Verband berechnete. Etwas mehr als die Hälfte produziert die Schweiz derzeit selbst: 540 Mio. Liter Wasser im Jahr 2022. Nach einem kleinen Einbruch während der Pandemie ist es wieder etwas mehr, aber längst nicht mehr so viel wie Ende der Nullerjahre. An über 20 Quellorten wird Mineralwasser abgefüllt – von A wie Adelboden bis V wie Vals.

 

Der Anteil des importierten Wassers nimmt zu. Inzwischen sind es 440 Mio. Liter oder 45 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Anteil mit 326 Mio. Litern noch bei rund 37 Prozent.

Die Schweiz exportierte nie grosse Mengen an Mineralwasser. Doch inzwischen fallen sie quasi aus der Statistik: Zehn respektive zwölf Millionen Liter waren es noch 2010 und 2011. Noch drei respektive vier Millionen Liter gingen 2021 und 2022 in den Export. Die internationalen Nahrungsmittelkonzerne haben das Mineralwassergeschäft fest in der Hand.

 

 

Sonntag, 27. August  2023 / Quelle: srf.ch

 

 

 

 

 

«Ich weise den Weg durch den Dschungel»

Hotelbesitzer Remo Stoffel gibt im «7132» in Vals den Köchen die Richtung vor. Hier sagt er, was er erwartet.

 

«Als Hotelier sehe ich die Restaurants nicht als Profitcenter, sondern als Unterhaltung für den Gast»: Remo Stoffel in der Bar des «7132».
«Als Hotelier sehe ich die Restaurants nicht als Profitcenter, sondern als Unterhaltung für den Gast»: Remo Stoffel in der Bar des «7132».

 

 

REMO STOFFEL, WARUM SIND SIE ALS INVESTOR UND UNTERNEHMER ÜBERHAUPT HOTELIER GEWORDEN?


Meister Zufall hat mir geholfen: Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass es in Vals einen Konflikt gibt zwischen der Gemeinde und dem Verwaltungsrat der Therme. Man war auf der Suche nach einem Investor, und ich habe mich gemeldet. So hat alles angefangen.

 


UND WOHER KOMMT IHR AUSGEPRÄGTES INTERESSE FÜR KULINARISCHE THEMEN?


Ich habe immer schon gerne gegessen. Ein prägendes Erlebnis war dann der famose Lunch im Hotel Cala di Volpe in Sardinien. Es ist nicht das schönste Haus der Welt, aber der Service war unglaublich gut und das Essen einfach – nach dem Motto «das Beste, was es gibt»: die beste Wassermelone, die beste Sardine, die besten Oliven, der beste Thunfisch. Das hat mich sehr beeindruckt. Wenn man die besten Produkte hat, kann man die dem Gast auch zeigen und muss gar nicht viel damit machen.

 


SIE HABEN DEN RUF EINES BESITZERS, DER SICH EINMISCHT UND AUCH IN KÜCHENANGELEGENHEITEN KLARE VORGABEN MACHT. WAS IST IHR ZIEL?


Einmischen ist ein unzutreffendes Attribut. Darunter verstehe ich eher, dass man alles durcheinanderbringt und überall mitredet. Was ich beobachte, ist, dass viele Leute in der Gastronomie die klassische Gastgeber- und Küchenkultur, wie ich sie verstehe, gar nicht mehr kennen. Man kann sie heutzutage auch nirgends mehr lernen. Hier sehe ich mich für unsere Leute eher als Wegweiser, der den Pfad durch den Dschungel weist.

 

WAS HEISST DAS KONKRET?


Als ich 2014 in Vals eingestiegen bin, war das Halbpensionsmenü der ganze Stolz des Hauses. Alle haben mir gesagt, wenn ich das ändere, würden Gäste und Mitarbeiter gehen und nicht zurückkommen. Aber ich habe es geändert und im «7132 RED» à la Carte statt Menü eingeführt – mit Klassikern der gehobenen Brasserie-Kultur. Mein Küchenchef damals wusste aber nicht, wie man ein Stroganoff zubereitet. Da hat uns Jacky Donatz geholfen und Nachhilfestunden gegeben.

 


DAS STROGANOFF STEHT HEUTE NOCH AUF DER KARTE UND WIRD VOR DEM GAST AM TISCH ZUBEREITET… 


Das war der Anfang unseres heutigen Konzepts: Wir konzentrieren uns auf zwei Stücke Fleisch. Das Filet vom Rind und den Rücken vom Kalb. Aus dem Filet machen wir Robespierre, Tournedos, Stroganoff, Tatar. Aus dem Rücken vom Kalb machen wir Paillard de Veau, Wiener Schnitzel und Geschnetzeltes. Die Karte beruht also auf diesen zwei Stücken, dazu gibt es Wolfsbarsch, bretonischer Hummer und schottischer Lachs, den wir konsequent im Ganzen einkaufen. Das ist vielleicht etwas teurer pro Kilo, aber am Ende einfacher für die Küche. Nachdem die Basis gelegt war, ging es um den Service. Wir haben die Zubereitung am Tisch eingeführt, um die Opulenz der Küche sichtbar zu machen.  

 

MITTLERWEILE IST VALS AUCH EINE GOURMET-DESTINATION, SVEN WASSER UND MITJA BIRLO WURDEN HIER SCHWEIZWEIT BEKANNT, DER JUNGE NIEDERLÄNDER MARCEL KOOLEN HAT DIESES JAHR ÜBERNOMMEN. WIE WURDEN SIE ZUM TALENTFÖRDERER?


Als ich eingestiegen bin, gab es einen grossen Speisesaal, aber ich wollte zusätzlich ein Gourmetrestaurant. Ein entscheidendes Kriterium in einem Hotel ist für mich, ob es ein gutes Restaurant hat. Das haben wir gebaut und eingerichtet, aber einen Koch hatte ich nicht. Also haben wir die Stelle ausgeschrieben: Sven Wassmer und Amanda Bulgin haben sich gemeldet. Das erste Gericht war Entenherz unter einer Milchhaut. Der Aufschrei im Team war gross. Aber ich halte mich an den Spruch von Apple-Gründer Steve Jobs: «Never ask the client or you will end in the middle of the road.» Ich wollte jungen Köchen eine Spielwiese bieten.

 


WIE SOLLEN SICH DIE BEIDEN RESTAURANTS IM HAUS UNTERSCHEIDEN?


Das eine ist gutbürgerlich-klassisch, das andere innovativ-hochstehend.

 


UND WIE ERREICHT MAN KULINARISCHE INNOVATION?


Die meisten schauen darauf, wie gross der Waren- und Personaleinsatz ist. Als Hotelier sehe ich die Restaurants aber nicht als Profitcenter, sondern als Unterhaltung für den Gast. Das ist wie der Pianospieler in der Bar, der für eine gute Stimmung sorgt.

 

Die neuen Gastgeber im «7132 Silver»: Küchenchef Marcel Koolen und Partnerin Franziska Woelfle.
Die neuen Gastgeber im «7132 Silver»: Küchenchef Marcel Koolen und Partnerin Franziska Woelfle.

 

 

MIT MARCEL KOOLEN STEHT ZUM DRITTEN MAL EIN JUNGER KOCH NEU IN DER VERANTWORTUNG IM «7132 SILVER». WIE BEURTEILEN SIE NACH DEN ERSTEN WOCHEN SEINE KÜCHE?


Wir starten wieder neu, und das braucht Zeit Ein Koch soll im 7132 Silver mit Leidenschaft kochen. Das spürt der Gast, das Resultat ist authentisch und alles Weitere folgt als Konsequenz.

 


WIEVIEL ZEIT GEBEN SIE MARCEL KOOLEN?

Das ist die falsche Frage. Die richtige ist vielmehr, ob sich ein Koch einen langfristigen Aufenthalt in Vals vorstellen kann. Wir sind der FC Silver, wer nicht mehr hier spielen will, soll gehen. Mit allen anderen spielen wir weiter – mit Freude und Spass. Unsere Ambition ist, eines Tages auf dem höchsten Niveau anzukommen. Dafür braucht es die Bereitschaft, sich über lange Zeit im Team Silver zu engagieren.

 

WIE HABEN SIE SELBST ESSEN GELERNT?


Es ist reine Intuition, ich habe sehr viele gute Restaurants besucht, mit Köchen gesprochen und immer gefragt, wie etwas gemacht wird, was mich bei diesem Besuch beeindruckt hat. Die Lehre daraus ist: Am Ende geht es immer um die Grundlagen. Wenn einer etwas kann und mit Leidenschaft umsetzt, dann spürt man das.

 


UND DAS SAGEN SIE DANN AUCH IHREN LEUTEN IM 7132 HOTEL?


Ich sehe mich als Spiegel der Küche. Ich sage nicht einfach «das ist ganz toll, was Sie machen». Mir scheint es mit dem Essen relativ einfach zu sein: Entweder schmeckt es oder nicht, es ist versalzen oder nicht. Da nützt alle Theorie nichts.

 

WEIN IST EIN WEITERES TEURES HOBBY, DAS SIE PFLEGEN. HABEN SIE BEIM SAMMELN UND TRINKEN ÄHNLICHE KRITERIEN WIE IN KÜCHENFRAGEN?


Ich bin überzeugt, dass ich als Besitzer die Verantwortung für den Weinkeller übernehmen muss. Sommeliers wechseln im Abstand von etwa drei Jahren. Der eine mag deutsche Rieslinge, der andere die Bündner Herrschaft. Daraus ergibt sich keine Kontinuität. Wein braucht Geduld, wir reden von Zeiträumen, die sich über zehn, zwanzig Jahre und mehr erstrecken.

 


LANGFRISTIGKEIT IST SO ETWAS WIE IHR LEITMOTIV?


Kontinuität und Identität sind wichtig für mich. Der Gast soll wissen, bei uns gibt es Bordeaux, und das ändert sich auch nicht. Wir haben ein Lebendbecken für Hummer im Keller, wir haben eine eigene Bäckerei. Das sind alles bewusste Entscheidungen für die Qualität. Die Versuchung ist immer gross, zu vereinfachen, abzukürzen und beispielsweise Fertigprodukte einzukaufen. Die Gewürz-Nüsse zum Beispiel, die der Gast auf dem Zimmer findet, kann man fixfertig beziehen. Das kann je nach Produkt auch sinnvoll sein. Aber wenn «7132» darauf steht, dann will ich keinen Etikettenschwindel, dann müssen die Nüsse wirklich selbst zubereitet sein.

 

 

Montag, 21. August  2023 / Quelle: gaultmillau.ch

 

 

 

 

 

Chaos Constelación, 2022 – Ein Geschenk an Vals

Bei der Monumentalstatue für die Gemeinde Vals handelt es sich um eine Schenkung zwecks permanenter Installation auf Gadastatt, wo sie per sofort sowohl von den Valserinnen und Valser, aber auch von Gästen aus aller Welt kostenlos und uneingeschränkt bestaunt werden kann.

 

 

 

«Chaos Constelación» des Künstlers Jedd Novatt ist eine sechs Meter hohe Skulptur aus wetterfestem Cortenstahl. Sie wurde kürzlich unweit der Bergstation Gadastatt aufgestellt. Jedd Novatt kennt Vals von seinen Weihnachtsferien her, die er merhmals mit seiner Familie hier verbracht hat. Es war nun sein Wunsch, «Chaos Constelación» in Vals aufzustellen, da die Skulptur in die Valser Bergwelt passe, wie er sagt. Finanziert wurde das Werk über US-amerikanische Mäzene, die einen engen Bezug zu Europa und speziell zu den Alpen pflegen. Das Kunstwerk ist eine Schenkung an die Gemeinde Vals. Das Kunstwerk zeigt auch, dass die Idee der Kunstzone Vals durchaus funktionieren kann und es Kunstinteressierte gibt, welche bereit sind, solche Vorhaben zu finanzieren.

 

Der 1958 in New York City geborene US-amerikanische Künstler Jedd Novatt ist bekannt für seine monumentalen Skulpturen, die sich mit den Begriffen Raum, Gleichgewicht und Schwerkraft befassen, indem sie asymmetrische und quadratische Formen ineinandergreifen lassen. Skulpturen aus Novatts gefeierter Chaos-Serie befinden sich weltweit in prominenten öffentlichen und privaten Sammlungen wie etwa dem La Piscine Musée d’Art et d’Industrie in Roubaix (Frankreich) dem Chatsworth House in Derbyshire (Vereinigtes Königreich); in der baskischen Stadt Bilbao (Spanien); der waadtländischen Stadt Rolle, dem Pérez Kunstmuseum Miami (USA), dem Kunstmuseum des Middlebury College in Middlebury, dem SCAD Kunstmuseum in Savannah (beide USA) und SCAD-Lacoste im französischen Luberon-Ta (Frankreich).

 

Jedd Novatt lebt in Paris und reist für seine Arbeit in seinen Studios auch des Öfteren nach Ménerbes bei Avignon sowie nach Eibar (Spanien) wo er unter anderem auch «Chaos Constelación» erschaffen hat. Mehr Infos über den Künstler finden Sie auf jeddnovatt.com.

 

 

Samstag, 1. Juli  2023 / Quelle: Vals.ch

 

 

 

 

Ein Miniunternehmen aus Chur zeigt, was aus Valser Stein entstehen kann

 

Mit einem Steinpeeling, einem Kosmetikprodukt, das in dieser Form nicht auf dem Markt anzutreffen ist, hat es das Team Alpaschlick geschafft. Die sechs jungen Schülerinnen der Handelsmittelschule der Bündner Kantonsschule in Chur überzeugen nicht nur im Klassenzimmer, mit ihrer Idee sind sie zum Siegerteam der Region Ostschweiz des schweizweiten Wettbewerbs von Young Enterprise Switzerland (YES) ernannt worden und haben sich auch für das Nationale Finale in Zürich qualifiziert.

 

 


 

«Schlick» klingt erstmal etwas ungewohnt. Man verbindet den Begriff mit Schlamm, als unverwertbares Überbleibsel der Natur. Das Miniunternehmen überzeugt jedoch vom Gegenteil. Die feinkörnigen Steinpartikel, die beim Abbau von Stein entstehen, sind nicht nur angenehm auf der Haut, sie sind auch als natürliche Materie einfach verfügbar. Genau dieses vermeintlich unbrauchbare Material bezieht das Alpaschlick-Team vom Steinbruch in Vals. Die Zusammensetzung der restlichen Inhaltstoffe erfolgt in der Naturdrogerie Lavalera in Chur. Dort produzieren die sechs Schülerinnen ihr Peeling selbst. Und sie haben Erfolg mit ihrem selbst entwickelten Produkt.

 

215 Teams aus der ganzen Schweiz haben im laufenden Schuljahr ein Miniunternehmen im Rahmen von YES gegründet und messen sich in einem Wettbewerb um das beste Unternehmen. In der ersten Wettbewerbsphase wurden nicht nur die besten 75 Unternehmensideen auserkoren, sondern auch noch pro Region ein regionaler Sieger. Alpaschlick konnte sowohl mit dem Produkt, aber auch mit ihrem Auftreten an der Pitch-Competition, ihrem Unternehmertum und ihren Dokumenten überzeugen und darf sich regionaler Sieger der Ostschweiz nennen.

 

Das ganze Projekt wird ermöglich durch das YES Company Programm. YES ist eine Non-Profit-Organisation, die den Fokus auf praxisorientierte Wirtschafts- und Meinungsbildungsprogramme lenkt. Sie ermöglicht den Schülerinnen und Schülern einen Schritt in die Wirtschaftswelt. Seit über 15 Jahren treten unzählige Startup-Unternehmen bei dem Wettbewerb an. In diesem Jahr wurde mit 215 teilnehmenden Miniunternehmen ein neuer Rekord erreicht.

 

Ein anderer Event, der auch von grosser Bedeutung ist, war die nationale Handelsmesse am Hauptbahnhof Zürich anfangs April. Die Top 75 bauten und kreierten ihren eigenen Stand und versuchten, die Passantinnen und Passanten von ihrem Produkt zu überzeugen. Die sechs Jungunternehmerinnen haben ihre klaren Vorstellungen bezüglich Standdesign umgesetzt. Mit dem Bezug zur Bündner Bergwelt und einem professionellen Auftreten konnten sie erneut überzeugen. Mit den zwei Sorten des Peelings (Bergamotte und Berglavendel) erhoffen sie sich nun weiterhin einen erfolgreichen Verkauf und positive Rückmeldungen. Mit dem Ziel, dass der einst Alpaschlick zum Alpaschick wird.

 

www.alpaschlick.ch

 

 

Mittwoch, 7. Juni  2023 / Quelle: Bündner Woche

 

 

 

 

Feuer am Tisch: der talentierte Maître Sgarbi

Er ist Quereinsteiger und eine Attraktion im Restaurant: Matteo Sgarbi kocht im 7132 Red vor den Gästen.

 

SELTENES BILD

 

Das gibt es nicht mehr in vielen Schweizer Hotels oder Restaurants zu sehen. Wenn Matteo Sgarbi den Rollwagen mit dem Gasbrenner und der Kupferpfanne vor dem Tisch aufbaut und anfängt, das Mise en Place zu erklären, ist ihm nicht nur die Aufmerksamkeit der Gäste direkt vor ihm, sondern des ganzen Raums gewiss. «Am Tisch Pasta zuzubereiten, ist für einen Italiener, als würde er zu Hause kochen», sagt der 39-Jährige aus Bologna lachend – und in ausgezeichnetem Deutsch.

 

GROSSE LEIDENSCHAFT

 

Seit 2019 leitet er im Swiss Deluxe Hotel 7132 Vals das 15-Punkte-Restaurant Red, das mit Matthias Schmidberger eben einen neuen Executive Chef bekommen hat. Dabei ist Matteo Sgarbi ein Quereinsteiger, «ursprünglich habe ich eine Handelsschule besucht, war einige Zeit Barkeeper und bin erst 2011 in die Hotellerie gewechselt. Vieles habe ich vom Zuschauen gelernt, der Rest ist einfach grosse Leidenschaft», sagt der Maître, während er nun mit Pol-Roger-Champagner, etwas Pasta-Kochwasser, Hummerkarkassen, getrockneten sowie frischen Cherry-Tomaten, Chiliöl, Pfeffer – «aber kein Salz!» – die Basis für die Spaghetti Royale legt, die hier nicht mehr von der Karte wegzudenken sind. 

 

 

Nur beste Zutaten: Der Hummerfond wird mit Champagner zubereitet.
Nur beste Zutaten: Der Hummerfond wird mit Champagner zubereitet.
Wie in Italien: die Pasta wird mit der Sauce vermischt.
Wie in Italien: die Pasta wird mit der Sauce vermischt.

 

 

LIEBE ZUR SPAGHETTI

 

Die «Table Side»-Zubereitung ist weitgehend aus den Schweizer Restaurants verschwunden, es fehlt oft an Zeit und an Personal für diese Tätigkeiten, die ein Gespür für den Auftritt vor dem Gast, aber auch kochtechnische Fähigkeiten verlangen. Im A-la-carte-Restaurant 7132 Red gehört das Kochen am Tisch hingegen zum Konzept, und das passt perfekt zu einer Karte voller Klassiker der Küchengeschichte.

 

 

Maître Matteos Meisterstück: am Tisch zubereitete Spaghetti Royal mit bretonischem Hummer.
Maître Matteos Meisterstück: am Tisch zubereitete Spaghetti Royal mit bretonischem Hummer.

 

 

JEDES DETAIL ZÄHLT

 

Der Hummer wird vom Küchen-Team nur kurz blanchiert und dann am Tisch von Matteo Scarbi fachgerecht zerlegt und schliesslich in der Sauce fertig gegart. Sobald sie die richtige sämige Konsistenz hat, muss die al dente gekochte Pasta bereit sein, dann fügt der kochende Kellner erst die Spaghetti der Marke Giuseppe Cocco aus Fara San Martino in den Abruzzen hinzu, zum Schluss kommt das Hummerfleisch zurück in die Pfanne. Dabei kümmert sich Hotelbesitzer Remo Stoffel um jedes Detail: Die richtige Pasta hat der Unternehmer geduldig in langen Tests selbst ermittelt, auf den Tisch kommt zudem nur bretonischer Hummer, der frisch aus Lebendbecken im Keller des Hauses gefischt wird.

 

EIN UNFALL SCHREIBT GESCHICHTE

 

Ein weiterer unverzichtbarer Klassiker im A-la-carte-Restaurant ist die Crêpe Suzette. Der Legende nach wurde sie durch einen Zufall Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, als der Kochlehrling Henri Carpentier in Monte Carlo für den späteren englischen König Edward VII. am Tisch Pfannkuchen machen sollte, und ein Likör plötzlich Feuer fing. Matteo Sgarbi hingegen weiss heute genau, was er tut, wenn er erst langsam und sorgfältig den Zucker in der Pfanne mit etwas Orangenabrieb und -Saft karamellisiert. «Wenn ich das am Abend einmal mache, dann riecht das ganze Restaurant so unwiderstehlich, dass danach fast jeder Tisch Crêpe Suzette bestellt», sagt er.

 

 

 

Zündstoff: Grand Marnier setzt die Mischung in Flammen.
Zündstoff: Grand Marnier setzt die Mischung in Flammen.
Crêpes «on Fire»: Matteo Scarbi flambiert das Dessert.
Crêpes «on Fire»: Matteo Scarbi flambiert das Dessert.
Dessert-Klassiker: Crêpe Suzette mit kandierten Orangenschalen und Vanille-Eis.
Dessert-Klassiker: Crêpe Suzette mit kandierten Orangenschalen und Vanille-Eis.

 

PERFEKTER KLASSIKER

 

Schliesslich setzt der Maître kunstgerecht mit Grand Marnier die Sauce in Flammen, bevor er die dünnen zarten Crêpes faltet, in der aromatischen Sauce wendet und mit kandierten Orangenzesten und Vanille-Eis serviert. Dabei hat der sympathische Kellner aus Bologna eine klare Vorstellung von seiner Arbeit beim Gast: «Ein Klassiker muss perfekt sein», sagt er freundlich und bestimmt.

 

 

Dienstag, 30. Mai  2023 / Quelle: gaultmillau.ch

 

 

 

 

 

 

Die Blasmusikszene stellt ihren Nachwuchs vor

Nach einem Unterbruch von sechs Jahren findet das nächste Kantonale Jugendmusikfest am Sonntag, 4. Juni, in Vals statt.

 

Die Pandemie brachte auch den -Rhythmus bei der Durchführung der Musikfeste im Kanton Graubünden gehörig durcheinander. So war das für 2020 in Zernez geplante Kantonale Jugendmusikfest in der Organisation schon weit fortgeschritten, fiel dann aber den behördlichen Einschränkungen zum Opfer, wie es in einer Medienmitteilung des Graubündner Kantonalen Musikverbandes heisst. «Mit der Musikgesellschaft Vals konnte ein Organisator gefunden werden, der diese wichtige Tradition wieder fortsetzt.»

 

Insgesamt werden am Kantonalen Jugendmusikfest am Sonntag, 4. Juni, in Vals 23 Musikvereine anwesend und zu hören sein, davon neun Jugendmusiken beziehungsweise Jugendensembles. Adrian Willi, der Jugendverantwortliche des Kantonalen Musikverbandes, zeigt sich erfreut: «Das ist eine tolle Ausgangslage, denn es ist wichtig, dass die Jugendformationen wieder auf ein übergeordnetes musikalisches Ziel hinarbeiten können.» Letztmals fand das Kantonale Jugendmusikfest im Jahr 2016 in Lenzerheide statt.

 

Das Organisationskomitee (OK) des Bezirksmusikfestes in Vals um Gerold Casaulta hatte sich sehr früh bereit erklärt, zusätzlich zum Bezirksmusikfest Surselva auch das «Kantonale der Jungen» zu organisieren, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Anstatt nur einen Tag werden die Festivitäten in Vals damit zwei Tage dauern. Am Samstag, 3. Juni, wird das Bezirksmusikfest des Musikbezirks 4 (Surselva) über die Bühne gehen und am Sonntag, 4. Juni, dann das Kantonale Jugendmusikfest. «Diese Kombination macht absolut Sinn, gibt es organisatorisch doch sehr viele Synergien», lässt sich Gerold Casaulta, der OK-Präsident des Festwochenendes, in der Mitteilung zitieren. 

 

Festumzug und Festakte

 

Im Zentrum der beiden Valser Musiktage stehen die musikalischen Darbietungen der teilnehmenden Vereine. Aber auch ausserhalb der Vortragslokale und abseits der Parademusikstrecke ist ein attraktives Programm vorgesehen. Als Höhepunkt vom Samstag dürfen laut Mitteilung der Festumzug mit anschliessender Gesamtaufführung, der Festakt mit Rangverkündigung und die Veteranenehrung sowie die Auftritte der Gasterländer Blasmusikanten und der Schweizer Band Stubete Gäng am Abend genannt werden. Am Sonntag stehen die Auftritte der Jugendformationen im Zentrum. Abgeschlossen wird das Fest am Sonntagnachmittag im Rahmen eines Festakts mit den Festansprachen und der Rangverkündigung.

 

 

Dienstag, 23. Mai  2023 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

 

Warum hat das stille Mineralwasser so wenig Mineralien?

Im grauen Valser Still sind viel weniger Mineralien als in der prickelnden Variante. Wieso ist nicht das Gleiche drin?

 

 

Warum hat das stille Mineralwasser so wenig Mineralien?

Im grauen Valser Still sind viel weniger Mineralien als in der prickelnden Variante. Wieso ist nicht das Gleiche drin?

 

Ein Ehepaar aus dem Baselbiet trinkt gerne Valser. Er mit Kohlensäure, sie lieber ohne. Deshalb stehen auf dem Esstisch des Paars jeweils eine Flasche «Prickelnd» und eine Flasche «Still». Per Zufall studiert der Ehemann die graue und die grüne Etikette und bemerkt: Im normalen stillen Valser sind viel weniger Mineralstoffe drin.

 

Während Valser Prickelnd rund 1900 Milligramm Mineralstoffe pro Liter enthält, sind es bei der normalen stillen Variante lediglich rund 230, also etwa achtmal weniger. Calcium ist in der prickelnden Variante fast zehnmal mehr drin. Magnesium sogar 30 Mal mehr. Der Valser-Kunde ist erstaunt. «Die stille Variante ist quasi wie Leitungswasser. Das finde ich komisch.»

 

Die Mineralstoffe im Mineralwasser kommen daher, dass das Wasser von der Quelle durch Gestein fliesst und dadurch die entsprechenden Stoffe löst. In der Regel sind zwischen 500 und 2000 Milligramm Mineralstoffe und Spurenelemente im natürlichen Mineralwasser, zum Beispiel Magnesium, Lithium, Natrium, Kalium, Calcium, Ammonium etc. Alles Stoffe, die die Mineralwasser-Produzenten gerne als besonders «wertvoll» bewerben.

 

Mineralien und Spurenelemente werden als Mehrwert verkauft

 

Mehr als 900 Millionen Liter natürliches Mineralwasser tranken die Menschen in der Schweiz im Jahr 2022. Und der Verband der Mineralwasserhersteller betont regelmässig die Vorteile gegenüber Leitungswasser. Auch im Frühjahr 2023 wieder: «Wasser ist nicht gleich Wasser», hiess es in einer E-Mail: «Natürliches Mineralwasser steht für Qualität. Seine Naturbelassenheit, die Mineralien und Spurenelemente verschaffen ihm einen Mehrwert.»

 

Eine Botschaft, die auch beim Valser-Kunden aus dem Kanton Basel-Landschaft längst hängen geblieben ist. Für ihn ist Wasser mit mehr Mineralstoffen drin wertvoller: «Die Hersteller machen ja so viel Reklame, dass Mineralwasser gesund sei, dass es mehr Magnesium, Calcium und so weiter enthalte.»

 

Des Rätsels Lösung: Valser kommt aus unterschiedlichen Quellen

 

Joachim Stüssi, Leiter Lebensmittelrecht beim Coca-Cola Konzern, zu dem auch Valser gehört, klärt das Rätsel auf: Das normale Valser Still mit durchsichtiger Flasche und grauer Etikette stammt aus einer anderen Quelle als das grüne Valser. Das eine wird auf 1800 Metern über Meer gefasst. Das andere hingegen auf dem Talboden in Vals.  

 

Welches Mineralwasser enthält welche Mineralien?

Eine Übersicht von mineralwasser.swiss


 

Aber wieso hat Valser überhaupt zwei Quellen? Wegen des Geschmacks, sagt Joachim Stüssi. «Es gibt Leute, die vom Geschmack her ein niedrig mineralisiertes Wasser bevorzugen. Diese Mineralien spürt man schon auf der Zunge.»

 

Vor 2011 hatte Valser nur eine Quelle, damals war das stille Wasser tatsächlich identisch mit dem kohlesäurehaltigen. Jetzt gibt es von Valser drei Sorten: Das grüne prickelnde, das graue stille und noch ein blaues stilles «Magnesium & Calcium». Für einmal ist die Lösung des Problems also einfach: Das Baselbieter Ehepaar kauft künftig einfach das Valser blau. Dieses enthält das gleiche Wasser wie das kohlesäurehaltige.

 

 

Donnerstag, 04. Mai  2023 / Quelle: SRF Espresso

 

 

 

 

 

Valser Design-Höhle

Eine der ungewöhnlichsten Villen der Schweiz befindet sich im Erdinnern

 

 

 

Spricht man im Ausland mit Architekturinteressierten und sagt, man sei aus der Schweiz, landet man unweigerlich bei einem Namen und einem Ort: Peter Zumthor, Vals. Der geniale Baumeister der Therme Vals ist weltbekannt. Seit ein paar Jahren macht ihr allerdings ein anderes Gebäude auf der internationalen Bekanntheitsskala von Schweizer Bauten Konkurrenz. Lustigerweise befindet sich dieses ebenfalls in Vals, bloss einen Steinwurf von der Therme entfernt; nur hat Zumthor damit praktisch nichts zu tun. Seit die Macher der raffinierten Netflix-Serie «The World’s Most Extraordinary Homes» darüber berichteten, ist auch die «Villa Vals», so heisst das aussergewöhnliche Objekt, in aller Munde.

 

Durch die Scheune ins Wohnzimmer

 

Erstellt haben das Erdhaus der Schweizer Christian Müller vom damaligen Architekturunternehmen CMA und sein niederländischer Kollege Bjarne Mastenbroek, Gründer des Büros Search, zwischen 2005 und 2009. Es war aber Zumthors Therme, die Mastenbroek bei einem Besuch im Bündnerland dazu inspirierte, hier zu bauen. Beim Kauf des 1300 Quadratmeter grossen Grundstücks gab es die Auflage, die alte Scheune auf dem Gelände zu erhalten. Dies veranlasste die Architekten zu einem spektakulären Kunstgriff. Das landwirtschaftliche Gebäude dient als Eingang zur zirka 200 Quadratmeter grossen Villa im Erdinnern. Über einen 22 Meter langen unterirdischen Tunnel gelangt man in die schlichten, aber durchdesignten und hochkomfortablen Räume.

 

Berühmter Quarzit

 

Die in den Berghang eingegrabene «Villa Vals» hat unter anderem sechs Zimmer, die durch die Fensterfront-Öffnung Richtung Tal von natürlichem Licht erhellt werden, einen Garten, einen Whirlpool auf der Terrasse, bietet Platz für zehn Personen und natürlich einen traumhaften Ausblick. Für die Fassade wählten die Architekten den berühmten lokalen Valser Quarzit, den auch Peter Zumthor für seine Therme verwendete und den die Zürcher auf ihrem Sechseläutenplatz verlegten.

Mittlerweile gehört die Höhlenvilla Silva und Iwan Stöcklin. Man kann das Haus tage- oder wochenweise für Ferien mieten.

 

 

 Mittwoch, 03. Mai  2023 / Quelle: Weltwoche

 

 

 

 

PETER ZUMTHOR WIRD 80

Wählerischer Minimalist: Der Schweizer Architekt Peter Zumthor, der nur Projekte annimmt, die ihm gefallen, feiert an diesem Mittwoch seinen 80. Geburtstag.

 

 

Eine Art Abt der Architektur: Peter Zumthor vor seinem Atelier in Haldenstein im Schweizer Kanton Graubünden
Eine Art Abt der Architektur: Peter Zumthor vor seinem Atelier in Haldenstein im Schweizer Kanton Graubünden

 

 

Einmal, so erzählt man es sich in Vals, sollen sich in der Lobby des besten Hotels am Platz mehrere Galeristen aus New York begegnet sein, ohne dass sie dort verabredet gewesen wären. Sie hatten aber ein gemeinsames Ziel – die Therme des kleinen Ortes in Graubünden. Entworfen hat den kantigen, in den Gebirgshang halb eingegrabenen Bau mit seiner grauen Steinfassade Peter Zumthor. Der Architekt wurde 1996 dank der Therme zum Star, zu dessen Gebäuden seither die Internationale der Architekturenthusiasten pilgert.

 

Die Chancen, die mit Prominenz einhergehen, hat Zumthor genutzt, ohne ihren Versuchungen Tribut zu zollen. Der Architekt nimmt nur solche Aufträge an, die ihm persönlich zusagen. Und in denen er seinen Entwurfsprinzipien folgen kann. Zumthors Bauten sind von enormer Körperlichkeit. Das möglichst markante Bild für ihre Form entwickelt er bevorzugt aus der Topographie des jeweiligen Standorts, die zu verwendenden Materialien leitet er dagegen aus dessen Geschichte ab – Gneis im Fall der Valser Therme, heller Klinker beim Museum Kolumba in Köln, erdfarbener Stampfbeton bei der Bruder-Klaus-Kapelle in der Eifel. In immer neuen Varianten probiert Zumthor aus, wie sich Form und Baustoffe und Lichtführung zu stimmigen Innenräumen fügen. Am Ende steht selbst bei profanen Nutzungen eine Atmosphäre, die von vielen Betrachtern als sakral empfunden wird – ganz ähnlich wie bei dem anderen großen Minimalisten unserer Zeit, John Pawson.

 

Zumthor gehört zu einer Generation von Architekten, denen Baugeschichte allenfalls zu dem Zweck vermittelt worden ist, zu lernen, wie man nicht baut. Als Denkmalpfleger, als der er nach dem Abschluss seiner Studienjahre zehn Jahre lang in Graubünden tätig war, hat er gelernt, dieses ahistorische Verständnis von Moderne zu überwinden. Die Postmoderne wiederum war schon wieder abgeklungen, als er schließlich als Architekt tätig wurde. So konnte er zum Pionier der zweiten Moderne werden.

 

 

Das Museum Kolumba in Köln, das Peter Zumthor anstelle der kriegszerstörten Kirche St. Kolumba errichtete, deren Reste in den Neubau einbezogen wurden
Das Museum Kolumba in Köln, das Peter Zumthor anstelle der kriegszerstörten Kirche St. Kolumba errichtete, deren Reste in den Neubau einbezogen wurden

 

 

Investoren, die mit einem festen Raumprogramm und starren Vorgaben hantieren, brauchen sich erst gar nicht an ihn zu wenden; Bürohäuser wird man in Zumthors Werkliste vergeblich suchen, überhaupt gibt es darin keine Architektur, die dem Kommerz verpflichtet ist. Wer mit Zumthor bauen möchte, prüfe vielmehr zunächst sich selbst, ob er dieser Aufgabe gewachsen ist: Nur wer zum Austausch von Ideen und zur Änderung von Plänen bereit ist, wer die Arbeit am Entwurf als offenen Prozess begreift, der unter Umständen noch bis in die Bauphase andauert, sollte sich darauf einlassen. Im Fall des Gelingens geht der Lohn über die Architektur hinaus. Er sei mit allen seinen Bauherren bis heute befreundet, hat Zumthor einmal gesagt.

 

Zwangsläufiges Scheitern in Berlin

 

Im Rückblick erscheint das Desaster um die Topographie des Terrors in Berlin geradezu zwangsläufig. Die Arbeitsweise Zumthors ist inkompatibel mit den Entscheidungswegen der öffentlichen Hand, die von der erratischen Eigenlogik politischer Meinungsbildung, Delegierung von Verantwortlichkeiten und Rücksichtnahme auf die schwankende öffentliche Meinung bestimmt wird. Der Stopp des Projekts, das den erinnerungsarchitektonischen Umgang mit dem NS-Erbe auf ein bis dahin unbekanntes Niveau hätte heben können, wurde schließlich mit Mehrkosten begründet, deren Höhe sich gemessen an den Erfahrungen der vergangenen Jahre geradezu lächerlich ausnimmt. Zumthor hat seitdem nicht mehr mit der öffentlichen Hand als Bauherr zusammengearbeitet.

 

Überhaupt ist sein Œuvre – anders als beispielsweise das seiner ebenfalls aus Basel stammenden und ihrerseits mit dem Pritzker-Preis ausgezeichneten Kollegen Jacques Herzog und Pierre de Meuron – klein; er beschäftigt in seinem Atelier in Haldenstein bei Chur nur gut 30 Mitarbeiter. Die Arbeit dort muss man sich wohl als eine Art private Bauschule vorstellen: konzentriert und auf freiem Austausch von Meinungen aufgebaut, aber doch den Prinzipien des Meisters verpflichtet. In der Rolle des Weisen aus der alpinen Provinz scheint sich Zumthor, der einen geradezu mönchischen Habitus pflegt, schon zu gefallen. Basis seines Charismas ist dabei keine guruhafte Exaltiertheit, sondern jene beneidenswert ruhige und höfliche Entschiedenheit, die man in der Schweiz öfter findet als andernorts.

 

Zumthor ist selbstbewusst, aber nicht arrogant: Stets bereit, seine Entwürfe geduldig etwa in Bürgerversammlungen zu erläutern, ist das einzige, was er von seinen Zuhörern erwartet, die Bereitschaft, die eigene Vorstellungskraft zu bemühen. Renderings, die fotorealistische Ansichten der geplanten Bauten zeigen, sind seine Sache nicht. Er arbeitet lieber mit Modellen, die den Grundgedanken des jeweiligen Entwurfs verdeutlichen. Am diesem Mittwoch wird Peter Zumthor, der große Magier des Minimalismus, achtzig Jahre alt.

 

 

Mittwoch, 26. April  2023 / Quelle: Frankfurter Allgemeine

 

 

 

 

«Ich habe Stolz und Zweifel in mir»

Peter Zumthor feiert am Mittwoch, 26. April, seinen 80. Geburtstag. Im Interview erklärt der weltweit gefeierte Stararchitekt, warum er noch immer gerne in Haldenstein lebt und arbeitet.

 

 

Architekt Peter Zumthor feiert am 26. April seinen 80. Geburtstag. Fotografiert wurde er in seinem Haus in Haldenstein anlässlich eines Interviews mit Valerio Gerstlauer.
Architekt Peter Zumthor feiert am 26. April seinen 80. Geburtstag. Fotografiert wurde er in seinem Haus in Haldenstein anlässlich eines Interviews mit Valerio Gerstlauer.

 

 

 

Zehn Jahre lang arbeitete Peter Zumthor bei der Denkmalpflege des Kantons Graubünden, bevor er 1979 in Haldenstein sein eigenes Architekturbüro gründete. Mit Bauten wie der Caplutta Sogn Benedetg in Sumvitg, der Therme in Vals, dem Kunsthaus in Bregenz und dem Kolumba-Museum in Köln erlangte er weltweit höchste Anerkennung. 2009 erhielt er den Pritzker-Preis, die wichtigste Architektur-Auszeichnung. Heute Mittwoch wird Zumthor 80 Jahre alt.

 

 

Bekanntester Zumthor-Bau in Graubünden: Die Therme Vals.
Bekanntester Zumthor-Bau in Graubünden: Die Therme Vals.

 

 

 

Peter Zumthor, Sie haben die weltweit höchsten Auszeichnungen sowie die prestigeträchtigsten Aufträge erhalten – man könnte sagen, dass Sie als Architekt in Ihrem Leben alles erreicht haben, was man sich wünschen kann. Sehen Sie das ebenfalls so?

 

Preise sind etwas Schönes. Was mich aber interessiert, ist die Arbeit als Architekt, der wie ein Künstler arbeitet. Ein Künstler, der neue Themen sucht, der Antworten auf neue Probleme sucht. Man lebt da nicht von Preisen.

 

Haben Sie sich in der Architektur nicht schon mit jedem Problem auseinandergesetzt?

 

Die Zahl der Architekturprobleme ist unendlich. Mit jedem Ort, mit dem ich etwas zu tun habe, stellen sich neue Fragen, ist alles neu. Ich will immer wieder neue Antworten suchen, denn ich bin kein Architekt, der mit Standardlösungen arbeitet und handelsübliche Bauteile zusammensetzt.

 

Beschäftigt Sie die Frage, wie Ihr Leben verlaufen wäre, wenn der Erfolg als Architekt nicht dermassen gross gewesen wäre?

 

Nein, eigentlich nicht. Angst habe ich bis heute lediglich davor, dass mir etwas nicht gelingt, dass ich nicht die richtige Antwort finde oder dass wirtschaftliche oder politische Umstände ein Projekt verhindern. Ich erwache zum Teil heute noch um 4 Uhr morgens und frage mich, was es ist, was mich an einem bestimmten Entwurf noch stört. Wenn ich dann am Morgen mit der Sonne aufstehe, ist die Angst verschwunden, und ich freue mich, mit meinen Architektinnen und Architekten der Sache auf den Grund zu gehen. Das Schöne ist, dass ich und meine Arbeit von Anfang an wahrgenommen wurden.

 

Mit welchen Erwartungen gründeten Sie 1979 Ihr eigenes Architekturbüro?

 

Meine Erwartung war, dass ich gerne irgendwann einmal einen öffentlichen Bau wie zum Beispiel ein Schulhaus gestalten kann. Das ging rasch in Erfüllung und war eine schöne Erfahrung. Natürlich gab es auch schwierige Zeiten, aber trotzdem wurde ich eigentlich immer getragen. Selbst bei meinem aus politischen Gründen gescheiterten Projekt für das Dokumentationszentrum «Topographie des Terrors» in Berlin haben mich Unbekannte auf dem Hauptbahnhof in Zürich angesprochen und gemeint: «Sie, Zumthor, sehr gut!» (lacht). Auch hier in Graubünden erfuhr ich immer wieder Unterstützung. Der Süesswinggel in Haldenstein, wo ich nun seit über 50 Jahre lebe, ist ein guter Ort zum Arbeiten und Wohnen.

 

Dann waren die ersten Jahre als Architekt nicht wirklich schwierig für Sie?

 

Nun, am Anfang verdiente ich mit der Architektur wenig. Meine Frau ist Primarlehrerin und gab damals noch Schule. Sie hat kein einziges Mal geklagt, dass ich mal was anderes oder etwas Kommerzielles machen solle. Sie hat mich gut und ausdauernd unterstützt. Sie war auch eine gute Kritikerin meiner Entwürfe, die sie sich immer wieder angeschaut hat. Sie hat mir immer zur radikalsten Lösung geraten. Die Zeiten mit wenig Geld waren nicht schlimm. Ich habe dieses Gen der sozialen Angst nicht. Diesbezüglich habe ich eine Art Urvertrauen.

 

Wussten Sie schon ganz am Anfang, was Sie können? Dass Sie vielleicht mehr können als andere Architekten?

 

Ich habe eine eigenartige Mischung aus Stolz und Zweifel in mir – das war immer so. Ich war mir meist bewusst: Ich kann das! Dann gab es aber auch diese Zweifel. Das ist bis heute so geblieben. Aber am Ende hat mich das Vertrauen in meine Fähigkeiten immer getragen (lacht).

 

Ihre Gebäude besitzen eine Ausstrahlung, eine Qualität, wie sie oft bei Gebäuden früherer Epochen zu finden ist. Wie erklären Sie sich diese «Seelenverwandtschaft»?

 

Ich arbeite für diese Ausstrahlung. Innenräume sind mir sehr wichtig. Es hat mich geprägt, als ich als Bub das erste Mal eine grosse Kirche sah. Ich denke auch zurück an ein prägendes Erlebnis, als ich mit meiner Tante den Bahnhof in Basel besuchte, diese Glashallen sah. Wichtig ist, dass ich mir die Zeit nehme für all die Details, dass ich nicht kommerziell angetrieben bin. Ich suche keine Beziehungen zur Geschäftswelt oder zur Welt, die Land kauft. Heute ist es so, dass es immer weniger Architekten gibt, die an Innenräumen arbeiten. Man arbeitet mit Standardlösungen, und alles muss schnell gehen.

 

Der Flimser Architekt Rudolf Olgiati konnte sich enorm aufregen über die Verschandlung der Bündner Landschaften durch «hässliche» Häuser. Geht es Ihnen da ähnlich?

 

Rudolf Olgiati hat meine volle Sympathie. Ich habe ihn gekannt, so gut man ihn kennen konnte. Er hat auch früh geschätzt, was ich mache. Er besass diese Leidenschaft für die geschlossenen Dörfer und die Schönheit der Gassen und Plätze. Heute ist es tatsächlich so, dass wir keine Bautraditionen mehr besitzen. Wie der italienische Architekt Aldo Rossi schon sagte, stehen die wichtigen Bauten heute dort, wo die reichen Leute ihr Geld haben – nicht dort, wo es städtebaulich oder landschaftlich am besten wäre. Heute ist alles kommerziell, Bauen ist zu einer Kapitalanlage geworden. Was ich jedoch Graubünden zugutehalte, ist die Tatsache, dass es gelungen ist, viele alte Ortsbilder und freie Landschaften zu erhalten.

 

Den roten Turm von Origen auf dem Julierpass empfinden Sie als schön, wie Sie in dieser Zeitung bereits kundgetan haben. Wollen Sie sich weiterhin für dessen Erhalt starkmachen?

 

Mir geht es nicht einfach nur um den roten Turm. Ich habe ein grösseres Anliegen. Ich stelle mir die Frage, ob wir wieder dahin kommen könnten, dass wichtige Bauten an den richtigen Orten stehen und uns helfen, unseren Lebensraum, unsere Landschaften und Überbauungen sinnvoll zu strukturieren? Oder sollen unsere neuen Bauten weiterhin nach den Gesetzen des Zufalls – Parzellenform, Grenzabstände, Strassen und so weiter – ohne Zusammenhang in der Gegend herumstehen? Die Bürger müssten verstehen, dass sie auch etwas dazu sagen können, wo etwas steht und wie es aussieht. Zum roten Turm nochmals: Natürlich würde es mir gefallen, wenn er dort stehen bleiben könnte. Er ist ein kulturelles Gebäude, er hat eine hohe Akzeptanz, und die Leute haben Freude daran. Was will man mehr?

 

Was halten Sie vom weissen Turm, den Origen in Mulegns bauen wird?

 

Das ist nicht mein «Cup of Tea».

 

Die technische Umsetzung mit den 3-D-Druckern finden Sie nicht spannend?

 

Das interessiert mich eigentlich nicht. Mich interessieren Räume, das Spiel von Licht und Schatten, die Atmosphären, die durch echte Materialien entstehen können.

 

Wie steht es mit Ihren eigenen Bauprojekten?

 

Für das Los Angeles County Museum of Art sind mittlerweile die Hälfte der 700 Millionen Euro verbaut. Das läuft gut jetzt, nachdem Teer im Boden zunächst einige Schwierigkeiten bereitet hatte. In zweieinhalb Jahren müssten wir dort fertig sein. Bei den Museumsneubauten für die Fondation Beyeler bei Basel läuft es ebenfalls gut. Ein weiteres grosses Projekt ist ein Atrium-Wohnhochhaus in Antwerpen. Dort beginnt der Bau kommenden Januar.

 

Zum Schluss: Wie werden Sie Ihren 80. Geburtstag feiern?

 

Wir machen hier im Süesswinggel in Haldenstein demnächst ein Strassenfest. Eingeladen sind Anwohner und Freunde, dazu erklingt Musik.

 

 

Mittwoch, 26. April  2023 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

 

Interessenabwägung fällt zugunsten der Stromproduktion aus

Der Entwurf des kantonalen Richtplans Energie erhebt die geplante Erhöhung der Valser Staumauer Zervreila in den Status der Festsetzung. Für die Umweltseite allerdings kommt das Projekt nicht infrage.

 

 

Blick in die mögliche Zukunft: So wie auf dieser Visualisierung würde der Zervreilasee nach einer Erhöhung der Staumauer um zehn Meter aussehen.
Blick in die mögliche Zukunft: So wie auf dieser Visualisierung würde der Zervreilasee nach einer Erhöhung der Staumauer um zehn Meter aussehen.

 

 

Die Idee an sich ist nicht neu. Schon 2004 haben die Kraftwerke Zervreila (KWZ) eine Erhöhung ihrer Staumauer bei Vals einer Machbarkeitsprüfung unterzogen. Technisch gesehen mit einem positiven Ergebnis: Eine Aufstockung der Mauer um zehn oder sogar 15 Meter wäre möglich. Allerdings: Noch mit Zahlen aus dem Jahr 2021 wurde die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts als nicht gegeben betrachtet.

 

Neue Ausgangslage dank besserem Winterstrompreis

 

Mit der drohenden Strommangellage in den kommenden Wintern und der damit verbundenen Aussicht auf einen besseren Winterstrompreis und namhafte Investitionsbeiträge hat sich die Ausgangslage nun aber geändert. Gemäss den neusten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zeigen sich die KWZ überzeugt, dass das Projekt «im derzeitigen Marktumfeld über eine attraktive Rentabilität» verfügt. Das Unternehmen hat die Dokumente aktualisiert – mit dem Ziel, das Vorhaben im kantonalen Richtplan Energie vom Status der Vororientierung in jenen der Festsetzung zu bringen.

 

Und das ist gelungen, wie aus dem am Mittwoch präsentierten Richtplanentwurf hervorgeht. Da mit dem Projekt die Winterstromproduktion um 42 Gigawattstunden gesteigert werden könne, falle die Interessenabwägung klar zugunsten des Vorhabens Zervreila aus, heisst es in den Erläuterungen zum Richtplan. Es seien keine übergeordneten Schutzinteressen betroffen; die Mauererhöhung könne in Übereinstimmung mit den Vorschriften zum Schutz von Umwelt und Landschaft realisiert und betrieben werden, schreibt der Kanton.

 

Gesamtprojektkosten von rund 72 Millionen Franken

 

Konkret würde die Erhöhung der Staumauer um zehn Meter Gesamtkosten von rund 72 Millionen Franken verursachen. Entstehen würde ein zusätzliches Stauvolumen von 17 Millionen Kubikmetern; bislang sind es rund 100 Millionen. Die Seefläche würde um etwa 18 Hektaren vergrössert, was unter anderem zur Folge hätte, dass der Fahrweg entlang des Sees auf einer Länge von 2,3 Kilometern höher gelegt werden müsste. Rund vier der 18 Hektaren würden im Canaltal zusätzlich überflutet, weitere 6,6 Hektaren im Läntatal.

 

Wo käme das nötige Wasser her? Die umstrittene Überleitung Lugnez – im Richtplanentwurf unverändert im Status eines Zwischenergebnisses aufgeführt – wäre für das Füllen des erweiterten Seevolumens nicht nötig, wie die KWZ betonen. Stattdessen würde konsequent das Wasser aus Peil und Ampervreila sowie aus anderen Zuflüssen über die bestehenden Pumpen nach Zervreila gedrückt – sommers, wenn die Energiepreise tendenziell tief sind, um dann in der kalten Jahreszeit lukrativen Winterstrom zu produzieren. Die Rentabilität hängt denn laut KWZ auch stark von der Strompreisdifferenz zwischen Sommer und Winter ab.

 

Vor allem das Canaltal von Eingriffen betroffen

 

Den landschaftlichen Wert des Zervreilasees werde die Höherstauung «nicht relevant» verändern, auch nicht die Sichtbarkeit des markanten Zervreilahorns, hält der KWZ-Voruntersuchungsbericht zum Projekt fest. Aber: Es verursache bedeutende Eingriffe in den Canalbach, in geschützte Waldgesellschaften und Offenlandbiotope sowie in eine geschützte Landschaft. Der monetäre Wert der deshalb nötigen Ersatzmassnahmen für Natur und Umwelt wird mit knapp 1,7 Millionen Franken beziffert. Vor allem betroffen ist das Canaltal, das laut Richtplan eigentlich ungeschmälert erhalten bleiben sollte.

 

Der Zervreilasee reicht schon heute ins Canaltal hinein, mit der Mauererhöhung würde aber der Canalbach auf einer Länge von weiteren 340 Metern zerstört, und damit auch eine gewässerökologisch wertvolle alpine Schwemmebene. Als mögliche Ersatzmassnahme denken die KWZ deshalb an die Schaffung eines «Canalsees»: Mit schätzungsweise 250’000 Kubikmetern Material aus dem Zervreilasee müsste dazu ein Damm ungefähr bei der heutigen Canalbrücke aufgeschüttet werden; dahinter würde dann im Canaltal ein von der Energiegewinnung abgetrennter natürlicher Gebirgssee von rund einem Kilometer Länge entstehen, laut KWZ mit «positiven Effekten auf Natur, Umwelt und Landschaft». Über den Damm könnte dann gleich auch der erhöhte Fahrweg in Richtung Läntatal geführt werden.

 

Nicht auf der Kompromissliste des runden Tischs

 

Ob das Projekt Mauererhöhung oder kurz «Zervreila+» in den kommenden zehn bis 15 Jahren – so der Zeithorizont der KWZ – realisiert werden kann, ist noch offen. Klar ist aber schon jetzt, dass die Umweltseite das Vorhaben nicht goutiert. So hält Armando Lenz von Pro Natura Graubünden fest, das Projekt sei am runden Tisch des Bundes zur Wasserkraft besprochen worden und dabei nicht auf die Liste jener 15 Schweizer Vorhaben gekommen, die umgesetzt werden sollten. «Wir lehnen das Projekt daher klar ab.» Gleich äussert sich Anita Mazzetta vom WWF Graubünden. Der WWF erwarte, dass der Kompromiss des runden Tischs respektiert werde. Alle dort nicht berücksichtigen Vorhaben müssten aus dem Richtplan gestrichen werden.

 

 

Donnerstag, 13. April  2023 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

Birlos Nachfolge in Vals steht fest!

Gleich zwei Köche stellen sicher, dass es im Restaurant 7132 Silver auf höchstem Niveau weitergeht.

 

 

Das neue Doppelgespann im Hotel 7132: Matthias Schmidberger (l) und Marcel Koolen (r)
Das neue Doppelgespann im Hotel 7132: Matthias Schmidberger (l) und Marcel Koolen (r)

 

 

Doppelt gemoppelt

 

Vals bleibt eine Top-Destination für Gourmets - die Nachfolge von Kult-Chef Mitja Birlo im 7132 Silver ist geregelt! Ab dem 1. April wird ein höchst talentiertes Doppelgespann für die kulinarischen Geschicke des 7132 Hotels verantwortlich sein: Matthias Schmidberger wird Executive Chef des Hauses; Marcel Koolen (im Bild oben rechts) wird im Fine-Dining-Restaurant am Herd stehen.

 

Junge Talente fördern

 

Beides sind keine Unbekannten: Der gebürtige Karlsruher Schmidberger (41) war zuvor schon als Executive Chef tätig, nämlich im Kempinski Grand Hotel des Bains in St. Moritz. Seine Arbeit im «Ca d’Oro» wurde mit 17 Punkten bewertet. Er machte das «Kempi» zu einem eigentlichen Feinschmecker-Hotel und gilt als Förderer junger Talente: So arbeitete der «Schweizer Star im Ausland 2023» Reto Brändli längere Zeit an seiner Seite.

 

Bereits zuvor kreativ im SILVER

 

Im bisherigen 18-Punkte-Lokal Silver übernimmt der im holländischen Rosendaal aufgewachsene Koolen. Seit 2018 lebt er in der Schweiz und kochte hier für Jeroen Achtien im Hotel Vitznauerhof, bevor er in Birlos Mannschaft wechselte. Bereits zuvor hat er also das Valser Restaurant mit seiner Kreativität mitgeprägt. «Ich bin überzeugt, dass unsere Stammgäste begeistert sein werden von seiner Art, das 7132 Silver weiterzuführen», sagt Katrin Rüfenacht, General Manager des Hotels.

 

Birlo bald in Zürich

 

Weitere Personalien: Der Italiener und schon früher vor Ort tätige Matteo Sgarbi wird Restaurant Manager aller Gastrobetriebe im Hotel. Franziska Woelfle, die Erfahrung im multisensorischen «Alchemist» in Kopenhagen gesammelt hat, wird Gastgeberin im 7132 Silver. Mitja Birlo, so wurde vor einigen Tagen bekannt, wechselt bald nach Zürich ins «Team Nenad».

 

 

 Montag, 27. März  2023 / Quelle: Gaultmiliau.ch

 

 

 

 

In Vals geht der Wolf um

Wölfe ziehen diesen Winter regelmässig durchs Bündner Dorf. Wird es dunkel, lassen Eltern ihre Kinder nicht mehr nach draussen. Die Sorgen bei Bauer Loretz sind gross, und die Wut im Ort wächst.

 

Die Haare liegen noch im Gras neben dem Holzzaun, ganz grau sind sie geworden. Vor drei Tagen hat ein Wolf im Garten von Patrick Loretz ein Reh gerissen. Mitten in Vals. Mitten im Dorf. Eine Nachbarin habe die Schreie des Rehs um fünf Uhr morgens gehört, erzählt Loretz. Er hingegen liess sich nicht davon wecken. «Dabei ist unser Schlafzimmer gleich hier.» Er zeigt auf ein Fenster im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses, wenige Meter entfernt.

 

Es ist ein windiger Tag Anfang März im Valsertal. Schnee liegt im Bergdorf mit seinem weltberühmten Thermebad schon länger nicht mehr. Drückt der Föhn vom Valserberg herunter, werden die Haarbüschel über den Sandkasten verteilt und in die Spielhütte neben dem Zaun geblasen. Die fünf Kinder von Patrick Loretz und seiner Frau spielen hier. Diese Nähe zu seiner Wohnung, zu den Kindern macht ihm Sorgen. «Was, wenn die Kleinen in einem blöden Moment einem Wolf begegnen?» 

 

Wölfe auf dem Schulweg

 

Loretz ist Bauer, er hat drüben auf der anderen Seite des dünnen Valser Rheins seinen Stall. 30 Kühe, 30 Schafe. Loretz hat schon Tiere an den Wolf verloren. Jeder Verlust tue weh, sagt er. «Damit kann ich aber bis zu einem gewissen Grad leben, das gehört für einen Schafhalter heute dazu.» 

 

Aber es könne doch nicht sein, dass er seinen ältesten Sohn, acht Jahre alt, nach dem Eindunkeln nicht mehr zum Spielen rauslassen könne. «Und es kann doch nicht sein, dass wir unsere Kinder von der nahen Schule abholen müssen, weil Wölfe auf dem Schulweg direkt entlang des Rheins gesichtet werden.» Im November wurde neben dem Pausenplatz ein aufgerissenes Schaf gefunden, die Eingeweide quollen heraus. «Ich bin kein ängstlicher Mensch. Aber das ist nicht gut für die Kinder. Nicht gut für uns alle.»

 

 

Nächtliche Begegnung der anderen Art: Ein Wolf auf dem Weg ins Dorf Vals. 
Nächtliche Begegnung der anderen Art: Ein Wolf auf dem Weg ins Dorf Vals. 

 

 

Der junge Bauer wählt seine Worte mit Bedacht. Poltern ist nicht seine Sache. Das gilt für die meisten hier in diesem Tal. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Vals, eingewanderte Walser, sind eine Minderheit im Bündnerland. Sie gelten als nüchterne Zeitgenossen. Während in den vergangenen Jahren rundherum Wölfe bei vielen für rote Köpfe sorgten, blieb es in Vals ruhig. Wolfsangriffe fanden nur in den Nachbartälern statt. Die Valser blieben verschont. Es war wie ein Wunder.

 

Damit ist es seit vergangenem Herbst vorbei. Das hat mit dem Rudel zu tun, das sich laut dem Bündner Amt für Jagd und Fischerei (AJF) 2022 neu gebildet und neben dem Lugnez das Valsertal zu seinem Gebiet gemacht hat. Leittier des Wannaspitzrudels ist ein Abkömmling vom Beverinrudel; jenem Rudel, das vom mittlerweile abgeschossenen Problemwolf M92 geprägt war.    

 

Das AJF bestätigte für Vals im November 2022 fünf Wolfsübergriffe auf Schafe, sieben starben, eines wird noch vermisst. Die Risse fanden «mitunter unmittelbar bei den Häusern statt», heisst es beim Amt. Im Januar und Februar 2023 seien zudem drei gerissene Rehe gefunden worden. Zwei im Dorf. Bei einem davon handelt es sich ums Tier, das neben dem Schlafzimmer von Patrick Loretz frühmorgens am 27. Februar zu Tode kam. 

 

Arno Puorger vom Amt für Jagd und Fischerei, sagt: «In Vals war die Wolfspräsenz im Spätherbst und Winter trotz der durch die Wildhut getroffenen Massnahmen tatsächlich zeitweise sehr deutlich sichtbar.»

 

«Wir fordern die Entnahme der Dorfwölfe.

Zur Wahrung der Sicherheit und des Dorffriedens.»

Auszug aus dem offenen Brief an die Kantonsregierung

 

Bereits Anfang Jahr fand in der Valser Mehrzweckhalle Glüs ein Informationsabend zum Thema Wolf statt. Über 600 Personen kamen, mehr als die Hälfte aller Einwohner von Vals. Der Tenor: So kann es nicht weitergehen. Nicht so nahe. Nicht im Dorf.

 

Eine Unterschriftensammlung wurde lanciert. Sie sollen einem offenen Brief an die Regierung des Kantons Graubünden zusätzliche Kraft verleihen. Gefordert wird darin die sofortige «Entnahme» der sogenannten Dorfwölfe, also der Abschuss. «Zur Wahrung der Sicherheit und des Dorffriedens.» 560 Unterschriften kamen zusammen. In diesen Tagen ging das Bündel mit dem harsch verfassten Brief nach Chur, in die Kantonshauptstadt. Eine Antwort steht noch aus.

 

Annette Vieli ist eine der Initiantinnen der Aktion; eine, die schnelle Massnahmen fordert. Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer mit Blick auf Vals. Der Bauernhof der Vielis liegt erhöht am Hang. «Genau im Streifgebiet der Wölfe.» 

 

 

Annette Vieli mit ihren Ziegen. Die Bäuerin muss ihre Tochter ins Dorf fahren. Allein wagt diese sich in der Nacht nicht hinaus.
Annette Vieli mit ihren Ziegen. Die Bäuerin muss ihre Tochter ins Dorf fahren. Allein wagt diese sich in der Nacht nicht hinaus.

 

 

Die regelmässigen Züge der Raubtiere sorgen dafür, dass die Herdenschutzhunde des Nachbarn seit Wochen in heller Aufregung sind, alles und jeden verfolgen. Auch Annette Vielis Tochter kamen die Hunde schon bedrohlich nahe. Valeria fährt jeweils mit dem Töffli im Morgengrauen ins Dorf. Sie macht dort die Lehre.

 

Doch seit die Hunde wegen der Wölfe so nervös sind, getraut sich Valeria im Morgengrauen nicht mehr allein auf den Weg. Die 17-Jährige sitzt auch am Tisch im Wohnzimmer, erzählt von ihrer Angst und davon, dass sie diese eigentlich nicht haben sollte. «Ich höre immer wieder, ich solle doch nicht so tun.»

 

Aber sie habe halt Angst, sagt Valeria. Tränen kullern. Die Mutter sitzt daneben und versucht, nicht zu weinen. 
52 Kühe haben die Vielis, 25 Ziegen. Und jetzt auch noch der Wolf, der ihre Existenz bedroht. Mit dem Auto fährt die Familie die Tochter täglich zweimal ins Dorf. Für die Vielis ist dieser Fahrdienst eine Belastung.

 

«Die Bewegungsfreiheit, die Natur.

Das macht doch das Leben hier oben aus, huara Saich!»

Bäuerin Annette Vieli

 

Vor allem passt es nicht ins Selbstverständnis einer Bauernfamilie. Sie haben den Kindern schon früh Selbstständigkeit gelehrt. «Die Bewegungsfreiheit, die Natur. Das macht doch das Leben hier oben aus, huara Saich!» Annette Vieli sagt irgendwann zu ihrer Tochter: «Ewig können wir das nicht mehr machen, gell.» Jetzt weinen beide.

 

Tollwut und Beutemangel

 

«Die Angst der Leute ist legitim», sagt David Gerke. Er ist Geschäftsführer der Gruppe Wolf Schweiz und natürlich nicht daran interessiert, weiter Ängste zu schüren. Der Tieraktivist will vielmehr damit ausdrücken, dass er die Emotionen von Leuten wie Bauer Patrick Loretz oder Annette Vieli ernst nimmt. «Historisch gesehen, gab es durchaus Zeiten, als der Wolf für den Menschen gefährlich war.» Das habe, so Gerke, meist zwei Gründe gehabt: Tollwut und Beutemangel. Beides gebe es heute nicht mehr.

 

Laut David Gerke sprechen die Zahlen für sich. Laut einer von mehreren Umweltverbänden in Auftrag gestellten norwegischen Studie ist die Zahl der Wolfsangriffe in den letzten zwei Jahrzehnten europaweit so klein, dass sie statistisch kaum messbar ist. «Vom Wolf geht keine Gefahr aus», erklärt Gerke.

 

Aber er sagt auch, dass Wölfe in Dorfnähe auch von der Gruppe Wolf Schweiz nicht erwünscht sind. «So wie in Vals – das wollen wir nicht. Darum unterstützen wir dort eine Regulierung.» 

 

Wölfe, die im Dorf regelmässig auftauchen, sollen also geschossen werden. «Eine Regulierung wurde bereits vollzogen», erklärt Arno Puorger vom Amt für Jagd und Fischerei. (AJF). Die Wildhut habe die Wölfe des Wannaspitzrudels bereits im Sommer und Herbst mehrmals vergrämt, später drei Jungtiere des Rudels im Rahmen einer durch das Bundesamt für Umwelt bewilligten Regulierung jeweils in Siedlungsnähe erlegt – auch in der Nähe von Vals.

 

Tot ist auch der Wolf, der regelmässig in Dorfnähe gesichtet wurde und eine Verletzung aufwies. Er wurde just an dem Tag geschossen, an dem Bauer Patrick Loretz vor seinem Schlafzimmerfenster den Rehriss entdeckte. Einen Zusammenhang gebe es aber nicht, so Puorger vom AJF. «Der Abschuss des verletzten Wolfs erfolgte allein aufgrund des Verletzungszustandes.»

 

Beruhigen vermag das Patrick Loretz nicht. Seinen Kindern hat er geraten, bei einer Wolfsbegegnung den nächsten Hauseingang aufzusuchen. Und nicht zu rennen. Bäuerin Annette Vieli hofft auf den Frühling, dann wenn es wieder früher hell wird. Und ihr ausserordentlicher Fahrdienst endet, vorerst.

 

 

 Donnerstag, 09. März  2023 / Quelle: Tagesanzeiger

 

 

 

 

Donald Hess: Ein Unternehmer, der vom Bier über das Valserwasser zum Wein kam

Bekannt war der Berner vor allem für seine Weine aus Übersee. Doch der innovative Unternehmer hat auch in anderen Bereichen Spuren hinterlassen. Ein Nachruf.

 

 

Donald Hess (1936 - 2023)
Donald Hess (1936 - 2023)

 

Eigentlich deutete bei Donald Hess alles auf ein Leben rund ums Bier hin. Der ursprünglich aus Bayern eingewanderten Familie gehörten seit mehreren Generationen die Steinhölzli-Brauerei in Bern Liebefeld und diverse Restaurants in der Stadt. Aber es sollte anders kommen. Als Hess im Alter von 20 Jahren in München gerade eine Ausbildung zum Braumeister absolvierte, starb plötzlich sein Vater. Zurück in Bern, musste sich der Sohn von einem Tag auf den anderen um die Zukunft des Unternehmens kümmern, seine Schwester zahlte er aus.

 

Dominierendes Bierkartell

 

Doch es waren die Zeiten des Bierkartells, der Absprachen, der Marktaufteilung. Den Ton gaben die grossen Schweizer Brauereien an. Für einen originellen Macher wie Hess, der sich für neue Ideen zur Vermarktung interessierte, war der Spielraum begrenzt. Eine Nische fand er in der Belieferung der Migros mit alkoholfreiem Bier (Roc). Dennoch verkaufte er die Brauerei Steinhölzli 1968 an die Freiburger Konkurrentin Cardinal, die dort den Betrieb dann 1973 einstellte.

 

Fortan expandierte Hess vor allem im Wassergeschäft. Bereits 1961 hatte er nämlich zu Diversifikationszwecken die St. Petersquelle in Vals übernommen. Sukzessive baute er das bis dahin unbedeutende Mineralwasser zu einer schweizweit bekannten Marke auf. Dabei halfen einprägsame Werbekampagnen, der Vertrieb mit Fahrern, die auf Franchise-Basis arbeiteten, sowie das Konzept des Harassen-Heimlieferdienstes. Letztgenanntes hatte Hess bei einem der beiden Mitinvestoren aus Deutschland abgeschaut.

 

Coca-Cola kauft Valser

 

Als Hess Valser 2002 an Coca-Cola verkaufte, kamen hierzulande fast schon patriotische Abwehrreflexe auf. Die Ängste vor einer – wie auch immer gearteten – «Amerikanisierung» des Valserwassers sollten sich als unbegründet erweisen. Der Grund für den Ausstieg der Hess-Gruppe damals war ein zunehmend schwierigeres Marktumfeld mit immer grösseren Akteuren sowie Konkurrenz durch Billigmineralwasser aus dem Ausland.

 

Das Wasser war es jedoch, das Hess zum Wein führen sollte: Am Anfang seiner ersten Investition im Napa Valley stand nämlich in den 1970er Jahren die Suche nach einer neuen Quelle. Das Unterfangen mit dem kalifornischen Mineralwasser verlief jedoch erfolglos.

 

Positiv überrascht vom Wein aus der Gegend – und von den im Vergleich zu Europa günstigen Bodenpreisen –, begann Hess schliesslich selber mit dem Anbau von Trauben, und zwar auf dem Mount Veeder. Also nicht im Tal, wie damals üblich, sondern an einer Hanglage. Geld für dieses neue Projekt hatte Hess auch darum, weil er kurz zuvor Hotels in Marokko verkauft hatte.

 

Beim Entscheid für den Kauf der Rebberge spielte eine Erinnerung an seine Anfänge als Unternehmer mit: Hess hatte kurz nach dem Tod des Vaters das hübsche, aber renovationsbedürftige Schlösschen Coinsins im Waadtland, das sich im Familienbesitz befand, und die dazugehörigen Rebberge verkauft. Eine Entscheidung, die er jedoch schon kurz danach bereute – hatte ihm sein Vater doch eingeschärft, Grundbesitz niemals zu verkaufen. Insofern war die Akquisition eines Weinguts in Kalifornien auch eine Art Versöhnung mit der Vergangenheit.

 

Seit 2001 besitzt die Hess-Gruppe auch Weingüter in Argentinien. Zur Bodega Colomé gehören einer der höchstgelegenen Rebberge überhaupt (3111 Meter über Meer) und – wie im Napa Valley – ein Kunstmuseum. Von den Engagements in Australien, wo die Gruppe eine Mehrheitsbeteiligung am Weinproduzenten Peter Lehmann hatte, und in Südafrika hat sich das Unternehmen mittlerweile wieder getrennt. Doch noch immer ist der Weinhandel mit einem Absatz von rund 10 Millionen Flaschen pro Jahr der bedeutendste Bereich im Hess-Imperium – vor Immobilien und der Sammlung zeitgenössischer Kunst.

 

 

Zur Kunstsammlung von Donald Hess gehört auch das Werk «Johanna II» von Franz Gertsch.
Zur Kunstsammlung von Donald Hess gehört auch das Werk «Johanna II» von Franz Gertsch.

Nach einem Abstecher nach London, wo er in den 1990er Jahren vorübergehend lebte, verschob sich sein Lebensmittelpunkt später wieder nach Bern bzw. zum Landsitz Rörswil in Ostermundigen. Auch wenn Hess in seinem Auftreten zuweilen etwas von einem Grandseigneur hatte, so blieb er doch stets bescheiden und bodenständig, mochte Hunde, Backgammon, die NZZ. Seit seiner Jugend war er ein begeisterter Boxer und hat auch später noch privat bei sich zu Hause trainiert – und manchmal einen neuen Manager in den Ring geladen.

 

Bei aller Faszination für das Reisen und die Neue Welt: Die Schweiz war sein sicherer Hafen. Nach einer gewissen Zeit im Land wurde er aber jeweils kribbelig, und es zog ihn wieder in die Ferne.

 

Firmen gehören Trust

 

Um seine Unternehmensgruppe zu erhalten, hat Donald Hess seine Firmen und seine Besitztümer bereits vor Jahren in einen Trust nach angelsächsischem Recht eingebracht. Seine Nachkommen profitieren zwar so von den Erträgen, besitzen aber keine Aktien an dem Gebilde.

 

Damit ersparte er seiner Tochter, seiner zweiten Frau Ursula und deren beiden Töchtern eine Situation, wie er sie selbst als Zwanzigjähriger angetroffen hatte: dass plötzlich überhastet strategische Entscheide getroffen werden müssen. Zudem sind die Schwiegersöhne, die Ehemänner von Hess’ Stieftöchtern, schon länger ins Geschäft eingebunden. Die Voraussetzungen, dass sich die Gruppe auf dem von ihrem Gründer vorgespurten Weg weiterentwickeln kann, scheinen günstig.

 

Am 30. Januar ist Donald Hess im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

 

 

Mittwoch, 01. Februar  2023 / Quelle: NZZ

 

 

 

 

Wenn der Starkoch geht, ist Krise im Hotel

Die Kündigung von Sternekoch Mitja Birlo ist für das «7132»-Hotel in Vals ein herber Verlust. Auch andere Bündner Luxusherbergen tun alles, um bei den Gourmets zu punkten.

 

Da war die Gourmetwelt in Vals noch in Ordnung: Als «Koch des Jahres 2022» wird Mitja Birlo, der Küchenchef des «7132 Silver Restaurant» (links) ausgezeichnet. Hotelbesitzer Remo Stoffel freut es.
Da war die Gourmetwelt in Vals noch in Ordnung: Als «Koch des Jahres 2022» wird Mitja Birlo, der Küchenchef des «7132 Silver Restaurant» (links) ausgezeichnet. Hotelbesitzer Remo Stoffel freut es.

Der Abschied von Mitja Birlo im «7132»-Hotel in Vals und die Folgen

 

Für den Gault Millau war es schlicht «der Knall» gewesen in der zweiten Januarwoche. Dass Mitja Birlo seinen Vertrag mit dem Thermen-Hotel «7132» in Vals auflöst und das hochgelobte Restaurant «Silver» dort seinem Schicksal überlässt, das überraschte selbst das in der Branche stets gut informierte Newsportal. Immerhin hatte man den 38-Jährigen erst vor gut einem Jahr zum Schweizer «Koch des Jahres» gekürt. Und bei der Gourmetführer-Konkurrenz, dem Guide Michelin, hatte Birlo gerade zum vierten Mal die wohl noch wertvollere Auszeichnung, die zwei Sterne, erhalten. Bereits am nächsten Tag musste der Gault Millau schon den nächsten «Hammerschlag» melden. Diesmal betraf es die Bündner Nachbarschaft; das «Chedi» in Andermatt verliert seinen ebenfalls mit zwei Sternen dekorierten Koch Dietmar Sawyere. Und als diese Woche schliesslich auch noch Jeroen Achtien beim «Vitznauerhof» kündigte, erklärte der Gault Millau 2023 zum «Flugjahr für Starchefs».  

 

«Tschuggen»-Hotels profitieren von Michelinsternen für «La Brezza»-Restaurants

 

Die Aufregung um die abtrünnigen Meister am Herd zeigt, wie stark die Hotellerie heute auf Spitzenkräfte im Gourmetbereich angewiesen ist. Es reicht schon lange nicht mehr, den Gästen im gediegenen Speisesaal das klassische Halbpensionsmenü aufzutischen und zur Abwechslung vielleicht noch ein Fonduestübli einzurichten. Sich mit einem Genusstempel zu schmücken, dessen Küche von einem bekannten Namen geführt wird, gehört zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. «Schon vor zehn Jahren sahen wir, dass dies an einem Ort wie St. Moritz für die Positionierung eines Top-Hauses einfach nötig ist», sagt Leo Maissen, CEO der Tschuggen Hotel Group. Inzwischen macht nicht nur das Gourmetlokal der Gruppe im «Carlton» in St. Moritz von sich reden. Besonders gross war die Freude, als diesen Herbst der Guide Michelin die Kochkunst des 30-jährigen Marco Campanella mit zwei Sternen belohnte. Und das gleich doppelt, nämlich sowohl für das «La Brezza» im Hotel «Eden Roc» in Ascona sowie für sein Winterquartier, das «La Brezza» im «Tschuggen» in Arosa. Auch der Gault Millau zog da jetzt nach und gab Jungstar Campanella je 18 Punkte für Ascona und Arosa. Eine seltene Ehre.

Zu reinen Pilgerstätten für die sogenannten Foodies oder Gourmet Travellers, wie es etwa Fürstenau mit Andreas Caminadas drei Restaurants ist, sind die Grandhotels damit aber noch nicht geworden. «Für die meisten unserer Gäste sind die Sternerestaurants eine schöne Zugabe, ein Highlight, das sie sich während ihres Aufenthaltes einmal gönnen», meint Maissen.

 

Aufstieg von Sven Wassmer – von Vals zum «Resort Ragaz» 

 

Währenddessen ist man im «7132» in Vals noch dabei, den Schock über Birlos Abgang zu verdauen, der laut Direktorin Katrin Rüfenacht die Hotelleitung inklusive Besitzer Remo Stoffel kalt erwischt hat. «Dank den Auszeichnungen war es uns gelungen, das ‹Silver› zur Marke aufzubauen und die Bekanntheit unseres Hotels gesamtschweizerisch zu steigern», stellt sie fest. Birlos Ruf habe viele Gourmets nach Vals gelockt, gerade auch aus der Westschweiz. Diese hätten dann aber auch das ganze Hotel schätzen gelernt. Zumindest bleibt dem «7132» diesmal erspart, dass sein scheidender Starkoch so wie vor ihm Sven Wassmer direkt zur Konkurrenz wechselt. Birlo will sich laut eigenen Aussagen erst einmal eine Auszeit gönnen, wieder Stadtluft schnuppern – und nicht zuletzt Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Florentina Shenari, der Sommelière des «Silver», feiern.

Weit mehr im Unfrieden war die Trennung von Wassmer verlaufen. Dieser hatte Vals überhaupt erst auf die kulinarische Landkarte gebracht, sich jedoch 2018 mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen in Richtung Bad Ragaz verabschiedet, wo er inzwischen mit der Eroberung des dritten Michelin-Sterns für eine regelrechte Sensation sorgte. Den Verlust von Wassmer konnte Stoffel damals umgehend ausmerzen, indem er dessen Sous-Chef – nämlich Birlo – zum Chefkoch beförderte, und damit den richtigen Riecher bewies. Ob ein solcher Coup jetzt wieder gelingt, ist fraglich. «Das Scouting von jungen Talenten – auch intern – läuft», sagt Rüfenacht. Man sei «positiv überrascht, wie viele spannende Bewerbungen von hochqualifizierten Kandidaten bei uns eingehen».

 

«Tschuggen»-CEO Leo Maissen: Sterne ziehen Talente an

 

Um Topleute anzuziehen, müssen sich Hotels heute einiges einfallen lassen. Gerade erst eröffnete das «Badrutt’s Palace» in St. Moritz ein Personalrestaurant, das sich auch so mancher Hotelgast gern gefallen lassen würde. Im «7132» in Vals hat man vor einigen Jahren nicht zuletzt auch deshalb die Fünftagewoche – das Hotel ist nur von Mittwoch bis Sonntag geöffnet – eingeführt, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. In der Küche des «Silver» wird sogar nur von Donnerstag bis Sonntag gearbeitet. «Wir möchten eines der besten Restaurants der Schweiz auch für Mitarbeiter sein», sagt dazu Direktorin Rüfenacht.

Maissen nennt den vielleicht wichtigsten Grund, warum für die Hotellerie die Bewertungen der Gourmetführer so wichtig sind: «Es ist innerhalb der Branche ein Barometer; Sterne und Auszeichnungen verschaffen uns entscheidende Vorteile auf dem Arbeitsmarkt.» Ehrgeizige junge Kochtalente, aber auch hochqualifizierte Servicekräfte würden sich gezielt diese Adressen für ihre Karriere aussuchen. «Das bringt uns die guten, motivierten Leute ins Team», bekräftigt der Hotelmanager. Deshalb lohne sich für das Hotel auch all der horrende Aufwand, den solche kulinarischen Spitzenleistungen erfordern. Denn selbst bei den gesalzenen Preisen für die Sternemenüs sei ein solches Restaurant aus sich heraus kaum kostendeckend.

 

 

Samstag, 23. Januar  2023 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

Nach acht Jahren ist Schluss: Mitja Birlo verlässt 7132 Vals

Der Koch des Jahres 2022 nimmt sich eine Auszeit. Er will seine Hochzeit planen und reisen.

 

Mitja Birlo vom Restaurant Silver im 7132 Hotel in Vals GR ist «Koch des Jahres 2022»
Mitja Birlo vom Restaurant Silver im 7132 Hotel in Vals GR ist «Koch des Jahres 2022»

Er ist zweifelsohne einer der talentiertesten Köche, welche die Schweiz zu bieten hat. 2022 wurde Mitja Birlo zum Koch des Jahres gekürt, das Restaurant 7132 Silver stand bei 18 GaultMillau-Punkten und zwei Michelin Sternen. Besser geht es kaum.

 

Nun will der 38-Jährige offenbar aber ein neues Kapitel aufschlagen: Wie der GaultMillau-Channel heute schreibt, verlässt Birlo den Betrieb auf Ende März 2023. «Ich bin seit über acht Jahren in Vals. Das ist eine lange Zeit und für mich ein guter Moment, um einen prägenden Abschnitt meiner Karriere zu beenden und etwas Neues anzufangen», lässt er sich zitieren.

 

Künftig wolle er wieder mehr Zeit für sich haben und sein Leben geniessen. «Ich will die Gelegenheit nutzen, um einige Dinge nachzuholen, die mir in den Jahren in Vals etwas entgangen sind: New York interessiert mich zum Beispiel: Ich freue mich darauf, Konzerte, Museen, aber natürlich auch Köche in anderen Restaurants zu besuchen», zitiert ihn der Gourmet-Channel weiter.

 

Gleichzeitig wolle er mit seiner langjährigen Freundin Florentina Shenar, Gastgeberin und Sommelière im 7132 Silver, ihre gemeinsame Hochzeit planen. Geheiratet wird im Mai 2023 in der Eiffel.

 

 

Mittwoch, 11. Januar  2023 / Quelle: gastrojournal.ch

 

 

 

 

10 Jahre Streit in Vals waren genug

Die Felsentherme machte Vals weltberühmt, doch sie spaltete das Dorf. Nun haben sich die Valser mit dem Investor Remo Stoffel arrangiert.

 

Blini mit Kaviar aus chinesischer Zucht, Sellerieknöllchen garniert mit schwarzem und weissem Trüffel, dazu Cristal-Champagner von Louis Roederer. Remo Stoffel hält Hof in seinem Reich, der Küche seines Fünf-Sterne-Hotels 7132 in Vals. Ein Koch schmeckt die Saucen für die nächsten Häppchen ab, ein anderer drapiert sie auf die Tellerchen, über allem wacht Mitja Birlo, der Koch des Jahres 2022.

 

Erst vor zwei Tagen ist der Hausherr aus Dubai angereist. Weihnachten und Neujahr verbringt Remo Stoffel mit seiner Familie in der Bündner Heimat. Doch Grund zum Feiern hat er schon heute. Stoffel hebt das Glas. «Wir haben dasselbe Ziel», sagt er und richtet den Blick zu Peter Schmid. Der Schriftsteller mit der grauen Mähne bleibt trotz Tamtam und Bläterchen auf Distanz. «Ich kann das so stehenlassen», sagt er nur.

 

Stoffel und Schmid, hier der Bub aus dem Dorf, der unter dubiosen Umständen zu einem märchenhaften Vermögen kam und heute in den Emiraten seinen Geschäften nachgeht, dort der frühere Dorflehrer und Autor, der sein uraltes Holzhaus für kein Geld der Welt verlassen würde. Zehn Jahre lang hatten sie sich einen erbitterten Kampf geliefert.

 

In einer denkwürdigen Gemeindeversammlung riss sich Stoffel 2012 das Valser Heiligtum unter den Nagel: die Therme und das Hotel. Mit 290 zu 220 Stimmen entschied die Gemeindeversammlung für Stoffel und gegen die Gruppe um den Therme-Erbauer Peter Zumthor, die ebenfalls ein Angebot eingereicht hatte.

 

Pilgerstätte für Designfans

 

Zumthors Geniestreich brachte Vals mit einem Schlag auf die Weltkarte der Architektur. 30 Mio. Fr. steckte die Gemeinde Mitte der 1990er Jahre in den Bau, ein Kraftakt sondergleichen für das kleine Dorf im hintersten Lugnez. Nach der Eröffnung strömten Architekturfans aus der ganzen Welt ins Tal. Vals wurde zum Bilbao der Alpen, Zumthors höhlenartiger Bau hatte eine ähnliche Anziehungskraft wie das Guggenheim-Museum in Nordspanien.

 

Einmal seien zwölf New Yorker Galeristen gleichzeitig vor Ort aufgetaucht, ohne dass sie voneinander gewusst hätten, erzählt Schmid. Verdutzt hätten sie sich erst in der Hotelhalle erkannt. Auch für das kulturinteressierte Schweizer Publikum wurde Vals zur Pilgerstätte. Die Übernachtungszahlen schossen in die Höhe, im Rekordjahr 2009 erreichten sie knapp 100'000.

 

Doch ausgerechnet Stoffel, dieser Geldmensch, war nun der Besitzer des Valser Wunderwerks. Im «Tages-Anzeiger» bezeichnete er einmal die Therme als «ausgelutschte, todgeweihte Braut, die niemand berühren wollte» – ein Sakrileg. Schmid, einst Präsident der Baukommission, sah sich um sein Lebenswerk betrogen. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er die Gruppe besorgter Valser Bürgerinnen und Bürger. Das Ziel: den stoffelschen Takeover rückgängig machen, den Schatz zurück ins Dorf holen.

 

Die besten Juristen des Landes nahmen sich des Falles an. Der Staatsrechtler Rainer J. Schweizer verfasste ein Gutachten für die besorgten Bürger, der frühere Tessiner Staatsanwalt Paolo Bernasconi formulierte eine Strafanzeige, der Antikorruptionsexperte Mark Pieth traf Abklärungen für die Bündner Regierung.

 

Der umstrittene Vorvertrag

 

Den Höhepunkt erreichte der Valser Kulturkampf, als Stoffel 2015 öffentlich machte, was er sonst noch so vorhatte. Auf dem Talboden wollte er einen 381 Meter hohen Turm errichten, daneben einen Park. Die Entwürfe stammten von Thom Mayne und Tadao Ando, beides Stararchitekten. Unter dem Pritzker-Preis, der höchsten Auszeichnung für Architektur, war Stoffel nichts gut genug.

 

Assistiert wurde er von Pius Truffer, dem Besitzer des Steinbruchs hinten im Dorf. Zusammen mit Schmid gehörte er zu den Vätern der Therme, auch privat waren sie eng verbunden, Schmid war Truffers Trauzeuge und Götti eines seiner Kinder, auf Bergtouren teilten sie sich die Zahnbürste. Doch die Freundschaft ging in die Brüche. Truffer schlug sich auf die Seite Stoffels.

 

Die Öffentlichkeit rieb sich die Augen. Die Medien stürzten sich begeistert auf den Stoff. Das Valser Dorftheater war grosses Kino.

 

Die Juristen stiessen auf einen obskuren Vorvertrag, den zwei Mitglieder der Hoteba, der Betriebsgesellschaft von Hotel und Bad, vor dem Verkauf mit Stoffel abgeschlossen hatten. Er sicherte dem Investor das exklusive Verhandlungsrecht und eine Entschädigung zu, sollte der Deal scheitern. Im Gegenzug, so ein nie bestätigter Verdacht, seien den Hoteba-Mitgliedern Posten angeboten worden. Es roch nach Begünstigung.

 

Der Verkauf der Therme, sagte der Staatsrechtler Schweizer in einem Interview, gehöre «zu den grossen Korruptionsfällen in Schweizer Gemeinden, vergleichbar mit dem Fall Leukerbad». Auf Empfehlung von Mark Pieth setzte die Bündner Regierung 2017 einen ausserordentlichen Staatsanwalt ein, der die Sache untersuchen sollte. Mehrere Verfahren gelangten bis vor Bundesgericht.

 

Der juristische Ertrag: gleich null. Stoffel scheiterte zwar in Lausanne mit einer Beschwerde gegen eine «Rundschau»-Sendung über angebliche versteckte Geldflüsse beim Verkauf. Sonst blieb nichts an ihm oder der Gemeinde hängen. Die Bündner Staatsanwaltschaft stellte die Strafuntersuchung nach drei Jahren ergebnislos ein. Schmid und die Seinen mussten zusehen, wie sich die in grellen Farben ausgemalten Verdächtigungen in Luft auflösten. Ein Fiasko für die Stoffel-Gegner. Gleichzeitig aber der Anstoss, sich mit dem ungeliebten Investor zu arrangieren. Anwälte, Prozesse und Gerichte konnten den Streit nicht schlichten, das mussten die Valserinnen und Valser selber übernehmen.

 

Die Gemeinde hat die Kontrolle

 

Im letzten April wurde der Friede offiziell besiegelt. Die Gemeindeversammlung stimmte einer salomonischen Lösung zu: Für einen symbolischen Franken kaufte die Gemeinde die Felsentherme von Stoffel zurück und brachte sie in eine Stiftung ein. Schmid selbst warf sich an der Versammlung für die Lösung ins Zeug: In der Vergangenheit habe man sich die Köpfe eingerannt, nun müsse man gemeinsam in die Zukunft gehen. «Wir sind nicht das Jüngste Gericht. Irgendwann müssen wir’s auch mal ruhen lassen», sagte er dem «Tages-Anzeiger».

 

Mit der Stiftung kehrt die Kirche ins Dorf zurück, die Gemeinde hat wieder die Hoheit über ihren wichtigsten Schatz. «Bei einem Super-GAU, wenn das Hotel aus irgendeinem Grund schliessen sollte, könnte die Stiftung die Therme betreiben», sagt der Gemeindepräsident Stefan Schmid, der nicht verwandt ist mit dem Schriftsteller. «Das gibt uns eine gewisse Sicherheit.»

 

Schmid trat sein Amt nach dem Knall vor zehn Jahren an. Der gesamte Gemeinderat war zurückgetreten, als der umstrittene Vorvertrag publik wurde. Schmid versuchte, Distanz zu beiden Lagern zu halten, doch die Anschuldigungen gegen die Gemeinde hinterliessen auch bei ihm Spuren: «So etwas beschäftigt einen schon.» Der Verkauf damals sei sehr emotional gewesen, riss Gräben auf, manche Dorfbewohner redeten nicht mehr miteinander. «Es war aber auch positiv, dass sich die Bevölkerung so reingab in diese Sache», sagt Schmid. Wichtig sei, dass sich auch die Gegner hinter die Stiftung stellten. «Das war ein versöhnlicher Abschluss, der dem Dorf guttat.»

 

Der Kampf sei nicht umsonst gewesen, sagt auch Peter Schmid. «Wir haben gezeigt, dass wir kein dummes Dorf sind, das sich über den Tisch ziehen lässt», sagt er. Doch man müsse wissen, wann die Zeit gekommen sei, einander wieder die Hand zu geben. «Irgendwann muss man die Streitigkeiten begraben, sonst kann man nicht koexistieren.»

 

Mit der Stiftung könne er gut leben, sagt Stoffel. Fünf Jahre verhandelte er mit der Gemeinde über die Modalitäten. Es ging um den Zugang der Öffentlichkeit, die Unterhaltspflichten, die Eintrittspreise, die heute mit 80 Franken für Tagesgäste gesalzen sind. Ein Trio wird im Stiftungsrat über die Einhaltung des Vertrages wachen: der Gemeindepräsident, die Geschäftsführerin des Bündner Heimatschutzes und Peter Zumthor, der bald 80-jährige Vater der Therme. Es sei sein Vorschlag gewesen, Zumthor zu holen, sagt Stoffel. «Wir haben keine Differenzen.»

 

Im Dorf ist man froh, dass der Spuk vorbei ist, doch Narben sind geblieben. «Stoffel hat sein Geld mit Spekulation gemacht», sagt ein Pensionär an diesem Nachmittag Mitte Dezember vor dem Volg. «Es war richtig, dass man gut hinschaute, aber jetzt ist das vorbei.» Ein anderer klagt, dass sich die Liegenschaftssteuern verdoppelt hätten, weil die Gemeinde wegen der sinkenden Gästezahlen die Sportbahnen sanieren musste.

 

Am Stammtisch im «Edelweiss» am Hauptplatz gehen am frühen Abend die Wogen hoch. Die Angst geht um, doch nicht vor Stoffel. Der Feind ist der Wolf. 20 Rudel hätten sich im Tal breitgemacht, erzählt einer mit Filzhut am Stammtisch. Nach der Dämmerung spazierten besonders dreiste Exemplare durchs Dorf und rissen Schafe.

 

«Die Therme war schon lange kein Thema mehr bei uns», sagt der Wirt Toni Gartmann. In seinem Gasthaus logieren viele Architekturstudenten, die sich Stoffels Hotel nicht leisten können. 50 Franken zahlen sie als externe Gäste für den Eintritt ins Bad. «Da gibt es nichts zu meckern», sagt Gartmann. Er stand von Anfang an auf Stoffels Seite. «Er hat seine Versprechen gehalten. Und wenn er den Turm nicht baut, sind alle zufrieden.»

 

Vorne beim Dorfeingang zelebriert Stoffel seinen Luxus-Tourismus. 120 Mio. Fr. will er in die Sanierung des Hotelbaus aus den 1960er Jahren gesteckt haben. Im Paradehaus «7132», der Valser Postleitzahl, kostet das «Once in a Lifetime»-Paket für zwei Personen ab 7700 Fr. – inklusive Helikopter-Flügen, Champagner auf dem Gletscher, 9-Gang-Dinner und 90 Minuten, in denen man die Therme ganz für sich hat. Daneben gibt es auch günstigere Angebote, etwa im House of Architects, wo fünf Stararchitekten die Zimmer gestalteten.

 

In den ersten Jahren nach der Übernahme brachen die Übernachtungszahlen ein. Das Stammpublikum wandte sich ab, Stoffel musste sich eine neue Klientel suchen. Nun hat er sie gefunden. Die Buchungen steigen, doch von schwarzen Zahlen ist der Betrieb weit entfernt. «Nackter Profit ist nicht unsere primäre Ambition», sagt Stoffel. «Wir wollen dem Gast ein positives Erlebnis bieten, einen Beitrag zu einem hochwertigen Tourismus in Vals leisten und ein verlässlicher Arbeitgeber sein», sagt er. Als Mäzen sieht er sich trotzdem nicht. «Das tönt nach begossenem Pudel, den man aufmuntern muss – und das ist bei ‹7132› nicht der Fall.»

 

Natürlich hätten die Verdächtigungen Spuren hinterlassen, gibt er unumwunden zu. «Die Diffamierung war wahnsinnig», sagt er. Die meisten seiner Gegner hätten sich nicht mal die Mühe gemacht, mit ihm zu reden.

 

Die Klagen wegen des Kaufs der Therme prallten an Stoffel ab, doch von seiner Vergangenheit wurde er gleichwohl eingeholt. Vor zwei Jahren verurteilte ihn die Zürcher Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung zu einer bedingten 180-tägigen Freiheitsstrafe. Der Kauf der Immobilien aus der Swissair-Konkursmasse katapultierte ihn 2005 über Nacht in die Liga der Superreichen. Doch den notwendigen Kredit hatte er sich mit falschen Angaben erschlichen. 40-mal wurde er einvernommen, im August 2019 landete er vier Tage in Untersuchungshaft. Schliesslich akzeptierte er einen Teil der Vorwürfe, was ihm die Schmach eines Prozesses ersparte.

 

Ungefähr zur gleichen Zeit wanderte Stoffel mitsamt Familie nach Dubai aus. Weil er sich vor weiteren Verfahren in Sicherheit bringen wollte, munkeln die einen. Weil ihn seine Geldgeber näher bei sich haben wollten, die anderen. Für Stoffel sind das einmal mehr nur Hirngespinste seiner Gegner. Er sei allein aus familiären und geschäftlichen Gründen nach Dubai gezogen, sagt er und schwärmt von der pulsierenden Grossstadt am Meer. «Dubai ist eine Stadt ohne Vergangenheit, hier zählt nur das Morgen.» Die Metropole verströme «positive Vibes», trage immer ein «Smile in the Face», die Medien verbreiteten ausschliesslich positive Nachrichten.

 

«Die Schweiz vertraut zu stark auf die Vergangenheit und vergisst dabei, Pläne für die Zukunft zu entwickeln.» Dubai sei das genaue Gegenteil. Er ist stolz darauf, dass seine vier Kinder in einer solchen Umgebung aufwachsen. Nur im Sommer, wenn die Hitze unerträglich wird, kehrt die Familie für zwei Monate nach Vals zurück. Und auch Weihnachten verbringt sie in Chur und Lenzerheide, woher seine Frau stammt, die frühere Snowboard-Weltmeisterin Manuela Pesko.

 

Der Traum vom Turm

 

Beim Apéro in der Hotelküche wird Champagner nachgefüllt. «Wir hätten dieses Gespräch schon vor zehn Jahren führen sollen», prostet Stoffel seinem einstigen Antipoden Schmid zu. «Dann hätten wir heute den Turm.»

 

Der Turm. Stoffel hat ihn nicht vergessen. Er erzählt, wie der ursprüngliche Projektvorschlag von Thom Mayne nur ein halb so hohes Gebäude vorsah. Dabei hätte aber nur die Hälfte der Bewohner freie Sicht aufs Tal gehabt, habe er kritisiert. Darauf habe Mayne seinen Plan in der Mitte durchgeschnitten und die beiden Teile aufeinandergestellt. Und in Stoffels Kopf war der Turm perfekt.

 

In der Realität durfte er nicht einmal Probebohrungen durchführen. Denn sie hätten im Quellgebiet der St. Petersquelle stattgefunden, die sowohl die Therme wie die Mineralwasserabfüllung speist. Da versteht die Besitzerin Coca-Cola keinen Spass, und die Valser auch nicht: «Die Bevölkerung wird keinem Projekt zustimmen, das die Quelle bedroht», sagt Gemeindepräsident Schmid.

 

Davon lässt sich Stoffel nicht beirren, er sieht sich als Promotor eines neuen Tourismus. Seine Vision: ein Refugium hoch in den Wolken für eine Handvoll Superreiche, die über dem Tal schweben und aus mehrstöckigen Appartements Landschaft und Menschen unter ihnen betrachten. «Der Mensch strebt nach Höhe und nach Raum. Beides sind rare Güter», doziert Stoffel.

 

Der Turm brauche viel Kapital, aber nur wenig Personal, deshalb werde die Rechnung aufgehen. Nur schon, um sicherzustellen, dass in ihrer Abwesenheit niemand anders die Toilette benütze, seien manche Gäste bereit, die Appartements das ganze Jahr zu mieten. Finanziell sei das attraktiv. «Die Konzeption und die Idee sind aktueller denn je», sagt Stoffel. «Aber die Zeit muss reif sein.»Stoffel kann warten. Seine Gegner sind schon weit jenseits des Pensionsalters, er ist gerade einmal 45. Die Zeit läuft für ihn.

 

 

Staatsanwaltschaft hält Bericht unter Verschluss

 

Der Therme-Verkauf an Remo Stoffel 2012 hatte eine Reihe von Strafverfahren zur Folge. Die meisten sind abgeschlossen, Straftatbestände wurden nicht gefunden. Nur etwas ist noch hängig: Die frühere Valser Gemeindepräsidentin Margrit Walker-Tönz und Marcel Meyer-Berni von der Betreibergesellschaft Hoteba fordern Einsicht in den Untersuchungsbericht der Bündner Staatsanwaltschaft. Diese hatte u. a. wegen Verdachts auf Bestechlichkeit ermittelt. 2020 wurde das Verfahren eingestellt, der Bericht blieb unter Verschluss. «Meine Mandanten haben einen Schaden an Renommee erlitten», sagt ihr Anwalt Rainer J. Schweizer. «Sie haben ein qualifiziertes Interesse, Einsicht in die Untersuchung und die Gründe für die Einstellung zu erhalten.» Der Fall liegt beim Bündner Strafgericht.

 

 

Sonntag, 01. Januar  2023 / Quelle: NZZ am Sonntag

 

 

 

 

«Die Steuerverwaltung Graubünden hat einen super Job gemacht»

Hinter dem Unternehmer Remo Stoffel liegt ein Jahr der Erledigungen. Im Interview spricht er über den Abschluss des Steuerstreits mit dem Kanton, über seine Pläne in Vals und über sein Leben in Dubai.

 

In der Dezembersession 2021 des Grossen Rates wurde bekannt, dass Unternehmer und Investor Remo Stoffel all seine Steuerschulden beim Kanton Graubünden bezahlt hat. Gut ein Jahr später blickt Stoffel im Interview zurück auf die jahrelangen Auseinandersetzungen – aber auch nach vorn. So verrät er, ob er in Vals Ausbaupläne hegt.

 

 

«Der Rückverkauf der Therme war kein belastendes Thema»: Remo Stoffel blickt auf ein Jahr der Entscheidungen zurück.
«Der Rückverkauf der Therme war kein belastendes Thema»: Remo Stoffel blickt auf ein Jahr der Entscheidungen zurück.

Herr Stoffel, kann man sagen, dass die vergangenen zwölf Monate für Sie eine Zeit der Entscheidungen war?

Remo Stoffel: Das kann man so sagen, ja.

 

Der Steuerstreit mit dem Kanton Graubünden hat sich erledigt, Sie haben die Therme Vals zurück- und die Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik ganz verkauft. Worüber ist Ihre Erleichterung am grössten?

Der Rückverkauf der Therme war ja kein belastendes Thema, dort gab es keinerlei Konflikt. Wir haben einfach unseren Teil des ursprünglichen Vertrags erfüllt. Es ist schön, dass das jetzt erledigt ist, aber das war ja nicht unerwartet, kein Schicksalsschlag.

 

Dann lag Ihnen der Steuerstreit am meisten auf dem Magen? Seit Dezember 2021 weiss man, dass Sie alle Ausstände bezahlt haben. Das Thema hat Sie ja rund 16 Jahre begleitet.

Eigentlich waren es sogar fast 20 Jahre. Der Grund für diesen sogenannten Steuerstreit war, dass es einfach unterschiedliche Auffassungen gab. Im Kern ging es um ein Darlehen, das eine Firma der anderen gewährt hat. Jetzt ist es so, wenn sie 100 Franken verdienen, müssen sie einen Teil davon als Steuern abliefern. Ich denke, niemand zahlt gern Steuern, aber sie sind notwendig. Im vorliegenden Fall wurde ich aber für etwas besteuert, was ich gar nie eingenommen habe. Und dagegen habe ich mich gewehrt.

 

Fast zwei Jahrzehnte lang.

Das war den verschiedenen Rechtsprozessen geschuldet. Man darf nicht vergessen, auch verschiedene Behörden kamen im Laufe der Zeit zu ganz verschiedenen Einschätzungen, was den Sachverhalt anging ob und wenn ja, wie viel eine Gesellschaft ausgeschüttet hat. So wurde auch ein Teil der Beschwerden gutgeheissen. Die Bündner Steuerverwaltung wusste nicht, aus welcher Unternehmung eine Ausschüttung kam, war sich aber sicher, dass es eine gab (lacht). Bis dieser Sachverhalt abschliessend geklärt war, hat es halt seine Zeit gedauert.

 

«Die Steuerverwaltung Graubünden wusste nicht, aus welcher Unternehmung eine Ausschüttung kam,

war sich aber sicher, dass es eine gab.»

Remo Stoffel, Unternehmer

 

Das tönt, als ob Sie immer noch einen gewissen Groll auf die Steuerverwaltung Graubünden hegen.

Nein, nein, wir hatten uns schon im Jahr 2013 mit der Steuerverwaltung Graubünden in Verbindung gesetzt, um einen sauberen Schnitt zu machen. Die Steuerverwaltung hat in dieser Sache einen super Job gemacht und sich im ganzen Verfahren professionell verhalten. Das Gleiche haben wir auch versucht. Ob es mir gefällt oder nicht, ich musste bezahlen, die Sache ist damit erledigt.

 

Und es bleibt kein Unmut zurück?

Es nützt ja nichts. Wenn es solche unterschiedlichen Auffassungen gibt, dann hat man Freude, wenn man recht bekommt, und wenn nicht, dann freut man sich weniger. Das ist, wie wenn beim Fussball ein Tor aberkannt wird, dann muss man das auch akzeptieren und nach vorn schauen. Froh über die definitive Erledigung dieser Angelegenheit bin ich eher aus einem anderen Grund.

 

Aus welchem denn?

Aus persönlichen Gründen. Zwölf Jahre lang wurde ich als Steuerbetrüger und Konkurskandidat hingestellt in der Öffentlichkeit. In der Zeit, in der ich zu Unrecht beschuldigt wurde, habe ich unter anderem eine Frau kennengelernt, sie geheiratet und vier Kinder bekommen, die heute alle schon auf der Skipiste sind. Wir reden also über eine lange Zeit. Und es ging immer nur um eine unterschiedliche Rechtsauffassung, nicht darum, dass ich frisierte Bücher vorgelegt oder ein Konto nicht angegeben hätte. Das hat schon sehr belastet.

 

Sie sagen, Sie wollen nach vorn schauen. Tun wir das und beginnen mit Ihrem Heimatort, Vals. Was haben Sie dort für aktuelle Projekte?

Zunächst einmal muss ich sagen, dass die Coronazeit uns einige interessante Erkenntnisse gebracht hat. Zum Beispiel, dass die Menschen den heilen Lebensraum Berge attraktiv finden und diesen auch gesucht haben. Insofern waren wir mit unserem Hotel «7132» in Vals auch Covid-Profiteure. Die zweite Erkenntnis war etwas, was wir schon Jahre vor Corona gesagt haben: Ein touristischer Betrieb muss attraktiv für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sein. Für diese Aussage haben uns Branchenkollegen vor einigen Jahren noch fast gekreuzigt (lacht). Der Fachkräftemangel in der Branche zeigt jetzt, dass wir damit recht hatten.

 

Wie machen Sie das Hotel «7132» denn für die Mitarbeitenden attraktiv?

In der Gastronomie arbeiten viele junge Menschen, auch diese wollen ihre Zukunft planen, eine Familie gründen, Ferien machen. Wir haben schon immer gesagt  – und auch dafür wurden wir harsch kritisiert –, dass sich das Modell des Saisonbetriebs überlebt hat. Wir führen deshalb seit Jahren einen Ganzjahresbetrieb mit einer Fünftagewoche. Es ist für mich interessant zu sehen, dass jetzt viele andere Betriebe über diese Massnahmen diskutieren oder sie auch einführen.

 

«Wir haben schon immer gesagt  – und auch dafür wurden wir harsch kritisiert –, dass sich

das Modell des Saisonbetriebs überlebt hat.»

Remo Stoffel, Inhaber Hotel «7132», Vals

 

Sie sind also zufrieden damit, wie es in Vals läuft?

Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Wir wollten ein Hotel schaffen, wo der Gast so viel Genuss wie möglich erlebt, damit einen qualitativen Beitrag zum Tourismus in Vals leisten und für den Ort selber ein attraktiver Arbeitgeber sein. Das ist uns bisher nicht so schlecht gelungen, glaube ich.

 

Das ruft förmlich nach einem weiteren Ausbau.

Man muss verstehen, als wir unsere Ausbauprojekte in Vals mit dem Turm vorgestellt haben, wurde das vielerorts als Witz empfunden. Der Vorteil des Laufs der Zeit ist, dass man allmählich sieht, was passiert. Wir haben ein Produkt geschaffen, das Gäste dazu bringt, in Vals jene hohen Zimmerpreise zu bezahlen, die auf diesem Niveau üblich sind. Aber Vals ist auch ein kleiner Ort, man sitzt nahe aufeinander. Eine Weiterentwicklung oder ein Ausbau sind nur möglich, wenn das eine Mehrheit der Menschen im Ort gut finden.

 

Die «Femme de Vals», der Turm, liegt derzeit also auf Eis?

Es wäre falsch und schade, wenn dieser Turm jetzt wieder als Provokation aufs Tapet gebracht würde. Wie gesagt, ein solches Projekt macht Sinn, wenn eine Mehrheit der Menschen überzeugt davon ist, dass es den Turm braucht. 

 

Sinnvoll wäre er Ihrer Meinung nach noch immer?

Wir haben in der Schweiz einfach die Personalkosten, die wir haben. Als Arbeitgeber können Sie nicht viel mehr machen, als ein Produkt zu schaffen, für das die Menschen mehr bezahlen. Dadurch kann man die Standortkosten finanzieren. Vielleicht könnte der Turm hier einen Beitrag leisten. Übrigens plant Morphosis, das Architekturbüro, das den Turm entworfen hat, jetzt in Saudiarabien eine Bandstadt: 170 Kilometer lang, aber nur 400 Meter breit, um die Natur nicht zu sehr zu tangieren. Möglicherweise sind in diese Planung auch Erkenntnisse aus Vals mit eingeflossen.

 

Aber noch einmal: Ein konkretes Ausbauprojekt haben Sie in Vals nicht?

Nein, derzeit nicht. Wir wollen einfach eine möglichst gute Hoteldienstleistung bieten, um damit auch die Marke und den Ort zu positionieren.

 

Von einem anderen Besitz haben Sie sich 2022 getrennt. Sie haben die Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik in Davos verkauft. Warum?

Man muss immer realistisch sein. Jedes Projekt verlangt nach Zeit und Aufmerksamkeit. Man kann nicht zu viele Dinge parallel machen. Die Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik hat mir 15 Jahre lang gehört. Aber ich muss ehrlich sagen, was die Absicht der Davoser Gesetzgeber mit ihrer Klinikzone ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Darum habe ich mich vom Standort verabschiedet.

 

Was hätten Sie sich denn gewünscht?

Ich habe der Gemeinde Davos im Jahr 2006 einen Vorschlag gemacht. Anstelle von Alibiprojekten, die niemandem etwas bringen, solle man gescheiter hingehen und eine Umnutzungsabgabe verlangen. Mein Vorschlag waren 500 Franken pro Quadratmeter. Allein für meine Liegenschaft hätte das zehn Millionen Franken in die Gemeindekasse gespült, insgesamt mit anderen Kliniken wohl mehr als 50 Millionen Franken. Damit hätte man in Davos einige sehr nachhaltige, gute Projekte realisieren oder sich daran beteiligen können.

 

«Aber ich muss ehrlich sagen, was die Absicht der Davoser Gesetzgeber mit ihrer Klinikzone ist,

ist für mich nicht nachvollziehbar.»

Remo Stoffel, früherer Besitzer Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik, Davos

 

Das stiess nicht auf Interesse?

Nein, es hat mir nur den höhnischen Kommentar eingebracht, Davos sei nicht am Casinospielen interessiert. Aber trotz allem, ich wünsche den neuen Besitzern der Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik viel Erfolg mit ihrem Projekt.

 

Sie haben gesagt, man könne nicht zu viele Projekte parallel zueinander angehen. Das tönt nicht nach Ihnen. Ist das eine Erkenntnis des Älterwerdens?

Vielleicht. Aber vielleicht werden auch die Projekte immer komplexer. Und man darf die räumliche Distanz nicht unterschätzen. Zudem ist vieles in der Schweiz sehr kompliziert geworden.

 

Wie meinen Sie das?

Ich erkläre es Ihnen anhand eines Beispiels. Vor etwa zehn Jahren habe ich in Chur West ein Grundstück gekauft, um es zu überbauen. Man kann sich mit gesundem Menschenverstand nicht erklären, wieso es Politik und Bevölkerung einfach so akzeptieren, dass nach zehn Jahren noch nichts passiert ist. Dass es so lange dauert, bis ein Quartierplan erarbeitet ist, ist wahnsinnig und dürfte nicht passieren.

 

Sie leben inzwischen schon einige Jahre in Dubai. Ist es dort anders?

In Dubai schaut man eher darauf, was man machen kann, als darauf, was dagegen sprechen könnte.

 

Was machen Sie selber in Dubai?

Unter anderem begleite ich seit dem Jahr 2006 eine Unternehmung für den Gebäudeunterhalt. Angefangen haben wir mit 100 Mitarbeitenden und einer Telefonnummer und Mailadresse. Heute stehen wir bei 10’000 Mitarbeitenden …

 

… und vermutlich mehreren Telefonnummern und Mailadressen.

Das ist alles hochtechnologisiert. Das ist übrigens ein Punkt, der mir mit Blick auf die Schweiz Sorgen bereitet. Dubai ist eine sehr junge Region, sie ist sehr offen für neue Technologien. In der Schweiz verhindern Bedenken und Datenschutzgesetze, dass wir bei den neuen Technologien richtig Gas geben. Ich habe wirklich grosse Sorgen, dass wir früher oder später abgehängt werden. Wir schauen viel zu sehr auf das, was wir erreicht haben und zu wenig auf das, was kommen könnte.

 

«Wir schauen viel zu sehr auf das, was wir erreicht haben und zu wenig auf das, was kommen könnte.»

Remo Stoffel, Unternehmer

 

Der Schweizer Wirtschaft geht es aber gut.

Das mag stimmen. Aber nehmen wir die Banken, die mich seit jeher interessieren, dort habe ich ja auch meine Ausbildung gemacht. Im Jahr 1998 waren die Schweizer Banken vom Marktwert her gleich gross wie die grössten US-Banken. Zu Beginn der Finanzkrise 2008 waren J.P. Morgan eineinhalb mal so gross wie die Schweizer Banken. Heute sind die US-Banken 10- bis 20-mal so gross wie die Schweizer. Was ist passiert? Nach der Finanzkrise hat Europa – und mit Europa die Schweiz – die falschen politischen Entscheidungen getroffen. Hinterfragt das jemand? Nein. Das ist beunruhigend.

 

Was bräuchte die Schweizer Wirtschaft Ihrer Meinung nach denn?

Es ist ganz seltsam. Die Schweizerinnen und Schweizer haben irgendwann gefunden, die Banker seien alle arrogant und würden nur Boni kassieren. Die wolle man nicht mehr. Die Fifa sei korrupt, die wolle man auch nicht mehr. Und die Rohstoffhändler, das sei ein ganz dubioses Gewerbe, die wolle man erst recht nicht mehr. Stellen Sie aber einmal die Frage: Wen wollt Ihr denn – und was seid Ihr bereit, dafür zu tun?

 

Wie lautet die Antwort?

Die bekommt man nicht, aber mit der Frage macht man sich extrem unbeliebt. Mir kommt die Haltung der Schweiz manchmal vor wie die eines trotzigen Kindes anstelle jener eines rationalen Erwachsenen. Vielleicht ist es das, was die Faszination von Dubai auf mich und meine Familie ausmacht.

 

Was genau?

Dass wir diese beiden sehr unterschiedlichen Kulturen erleben. Dass wir gewissermassen in zwei sehr entgegengesetzten Welten leben.

 

Wie oft sind Sie überhaupt noch in der Schweiz und Graubünden?

Früher haben wir zwei Drittel unserer Zeit in Graubünden gelebt und einen Drittel in Dubai. Heute ist Dubai unser Lebensmittelpunkt, hier gehen auch unsere Kinder zur Schule. Nach Graubünden kommen wir in die Weihnachts-, Sport- und Sommerferien.

 

Wie ist es so, als Tourist in der Heimat?

Wir suchen uns jeweils die schönen Ecken des Kantons aus. Jetzt über die Festtage sind wir in Chur und gehen auf die Lenzerheide Skifahren und Snowboarden. Im Februar sind wir im Engadin, das ganz anders ist, aber auch wunderschön. Und die Sommerferien verbringen wir in Vals. Wir sind überzeugte Graubünden-Fans, es ist sehr schön hier.

 

 

Samstag, 17. Dezember  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

Ein neuer Aufzug für das Haus Zerfreila

Während mehr als 50 Jahren hat der alte Aufzug stets seinen Dienst verrichtet. Nun erfreut sich das Haus Zerfreila über eine neue Anlage in edler Ausführung und Rollstuhlgängig.

 

 


 

 

Sonntag, 27. November  2022 / Quelle: Webmaster

 

 

 

 

Käse dank Wärmeverbund, Wärmeverbund dank Käse

Die Zukunft der Valser Biomilchbauern ist gesichert: Die dringend nötige neue Sennerei ist in Betrieb, die Produktion läuft. Die Wärme fürs Kessi liefert die benachbarte Holzheizzentrale.

 

Ohne die Käserei würde der Wärmeverbund nicht existieren, ohne den Wärmeverbund gäbe es wohl keinen Biokäse aus dem Dorf mehr – auf diese etwas verknappte Formel lässt sich die Entstehungsgeschichte zweier neuer, miteinander verknüpfter Gewerbebauten im 1000-Seelen-Dorf Vals reduzieren. Seit Kurzem ist sie in Betrieb, die ins Gebiet Morizei umgesiedelte Valser Sennerei, rund zehn Jahre nach den ersten Projektideen und anderthalb Jahre nach dem symbolischen ersten Spatenstich.

 

 

 

Einen neuen Käsekeller brauchte man, und auch die Produktionsinfrastruktur musste wegen der heute einzuhaltenden Standards ersetzt werden. Die Lösung war letztlich, nach mehreren Anläufen, der nun realisierte Neubau. Notabene in einer blauen Gefahrenzone, was eine lawinensichere Bauweise nötig machte. Ebenfalls verteuernd: Für die in einem Tourismusort wie Vals unabdingbare breite Palette an Sennerei-Erzeugnissen brauchte es eine aufwendigere Mehrzweckproduktionsanlage. Auf insgesamt 3,7 Millionen Franken belief sich schliesslich die Investitionssumme – dafür ist nun aber die Zukunft der Valser Biomilchbetriebe gesichert, wie Projektleiter Andy Oesch festhält.

 

Mit der Finanzierung gerungen

Aber nochmals zurück zum ebenfalls neuen Valser Wärmeverbund: Dessen erste Versorgungsetappe ist schon seit Herbst 2020 in Betrieb, und inzwischen bezieht auch die Sennerei ihre Prozessenergie von der Wärme Vals AG. Den Anstoss zu einer Heizzentrale im Dorf hatte aber ursprünglich das Käsereivorhaben selbst gegeben: Für die Biosennerei wollte man laut Oesch ein nachhaltiges Energiekonzept, also ohne Öl oder Strom; eine Wärmepumpe hätte zudem die benötigte Prozesswärme nicht liefern können, und für eine Holzheizung mit den entsprechenden Speichern hätten in der Käserei der Platz und das Geld gefehlt.

 

Als die Gemeinde dann beim Bau der neuen Mehrzweckhalle Glüs ebenfalls eine gute Lösung für die Wärmeerzeugung benötigte, entschied sich eine Gruppe von Valser Unternehmern 2018 für den Bau der Heizzentrale mit Wärmeverbund – lange vor dem Baustart der Sennerei. Deren Genossenschaft unter dem Präsidium von René Stoffel rang damals noch mit der Finanzierung des Vorhabens. Neben den Eigenmitteln, den Beiträgen von Gemeinde, Kanton und Bund sowie den Bankgeldern klaffte noch eine Lücke. Erst eine Unterstützungszusage der Coop Patenschaft für Berggebiete Ende 2020 beseitigte dann die letzten finanziellen Hürden.

 

Über 80 Tonnen Milchprodukte

Wesentlich zum Erfolg beigetragen hatte der Umstand, dass der Generationenwechsel bei den neun beteiligten Valser Milchwirtschaftshöfen bereits stattgefunden hatte oder Nachfolgelösungen vorhanden waren. Die Biomilchmenge war gesichert und konstant, auch sommers, dank einer Pipeline von der Alp Leis nach Vals. Gut 600’000 Kilogramm Kuhmilch sind es pro Jahr; daraus entstehen nun weiterhin rund 40 Tonnen Valser Berg- und Spezialitätenkäse, eine Tonne Camembert, 40 Tonnen Joghurt, Quark, Butter und abgepackte Milch. Alles auch dank der Prozesswärme aus dem Wärmeverbund. Und für seine Produkte hat Käser Roberto Pedroni inzwischen auch genügend Lagerkapazitäten: Im neuen Reifungskeller haben 3800 Laibe Hart- sowie 500 Laibe Weichkäse Platz.

 

 

Samstag, 10. Oktober  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

Stall vollständig ausgebrannt

In Vals ist es am Samstagabend zum Brand in einem Stall gekommen. Personen und Tiere wurden keine verletzt.

 

 

Vollständig ausgebrannt: In einem Stall in Vals entzündete sich ein Heugebläse, was zu einem Vollbrand führte.
Vollständig ausgebrannt: In einem Stall in Vals entzündete sich ein Heugebläse, was zu einem Vollbrand führte.

 

Die Kantonspolizei Graubünden hat am Samstag um 21.08 Uhr die Meldung über einen Stallbrand im Gebiet Ober Büni in Vals erhalten. Laut einer Mitteilung der Polizei vom Sonntag gab es bei einem Heugebläse plötzlich Funken.Die Person welche damit beschäftigt war auf dem Heustock das Heu zu verteilen, konnte den Stall unverletzt verlassen. Die Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr Vals stellten bei ihrem Eintreffen bereits einen Vollbrand des Stalles fest.

 

Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass der Stall bis auf die Grundmauern abbrannte. Auch wurde umliegendes Wiesenland durch den Brand leicht in Mitleidenschaft gezogen. Von der Feuerwehr Vals standen 20 Einsatzkräfte, sowie ein Kranlastwagen einer privaten Transportfirma im Einsatz. Die Kantonspolizei Graubünden ermittelt die Brandursache.

  

 

Samstag, 15. August  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

Das schmucke Bergdorf Vals ist um ein einzigartiges Gebäude reicher

Es gibt viele Gründe, ins unverfälschte Dorf Vals in Graubünden zu reisen. Einer davon ist der Neubau des Architekten Kengo Kuma – ein eindrückliches Haus aus 350 Tonnen Valser Stein.

 

So manch einer hat schon sein Herz an dieses Bergdorf ganz hinten im Valsertal verloren. Obwohl nur zwei Autostunden von Zürich entfernt, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt. Man radelt über verschlungene Bike-Wege, erwandert die nahe gelegenen Gipfel oder lässt in der bekannten Therme Vals die Seele baumeln. Letztere zieht auch viele Architektur-Liebhaber an. Schliesslich gehört Peter Zumthors Werk zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bauten der Schweiz und geniesst auch internationales Renommee.

 

Nun ist das Dorf um ein markantes Bauwerk reicher: das Haus Balma. Entworfen hat es der renommierte Architekt Kengo Kuma für die Familie Truffer. «Einer der Grundsätze unserer Philosophie ist es, Harmonie zwischen Architektur, Natur und Umgebung zu schaffen», sagt Yuki Ikeguchi, Geschäftspartnerin von Kengo Kuma. «Deshalb setzen wir uns zu Beginn eines Projektes immer gründlich mit den Gegebenheiten vor Ort und der besonderen Geschichte und Tradition eines Ortes auseinander.»

 

 

Kantig ragt das Gebäude in die Luft und fügt sich ansprechend ins Ortsbild ein.
Kantig ragt das Gebäude in die Luft und fügt sich ansprechend ins Ortsbild ein.

 

 

Traditionelle Materialien

Um zur architektonischen Gestaltung und Form zu gelangen, suchen die Architekten nach Elementen, die all diese Dinge verbinden und die man ins richtige Gleichgewicht bringen kann. So herrschen bei dem imposanten Bau Valser Quarzit und Holz vor. Und zwar im Äusseren wie im Inneren. «Die verwendeten Materialien und Techniken beziehen sich auf die hiesige Tradition und finden doch einen zeitgemässen Ausdruck», sagt Pius Truffer.

 

 

Eindrücklich zeigt sich der Innenbereich mit den vorherrschenden Materialien Valser Quarzit und Holz. 
Eindrücklich zeigt sich der Innenbereich mit den vorherrschenden Materialien Valser Quarzit und Holz. 

 

 

Das Familienunternehmen Truffer AG, das von Pius und Pia Truffer 1983 gegründet wurde, fungiert als Bauherrin. Die Firma baut seit fast 40 Jahren den begehrten Valser Quarzit ab und verarbeitet ihn zu unterschiedlichen Endprodukten. «In Kengo Kuma haben wir einen Meister gefunden, der die Materialien sprechen lassen kann», sagt Pius Truffer.

 

 

«Dabei haben wir eigentlich keinen bestimmten Zweck formuliert, kein verpflichtendes Raumprogramm entworfen», erzählt der Bauherr. Der Architekt sollte beginnen zu träumen; von einem wunderbaren Gestein, das auf Reisen geht und Menschen begeistern kann. «So wie Kengo Kuma das Gebäude entworfen und in den Details bestimmt hat, haben wir es gebaut», erzählt Pius Truffer.

 

Triangelförmige Grundform

Dabei wurde die Form durch das dreieckige Grundstück vorgegeben. «Wir wollten die verfügbare Grundfläche weitgehend nutzen. Dazu entwickelten wir die geometrischen Eigenschaften des Dreiecks weiter, um einzigartige räumliche Erfahrungen zu erschaffen», sagt Architektin Yuki Ikeguchi.

Die Triangel-Grundform des Gebäudes wirkt sich auch auf die Innenräume aus: Nahezu kein Raum ist rechteckig, was zu einem ausserordentlichen Raumgefühl führt, für die Inneneinrichtung aber herausfordernd ist.

 

 

Der Eingangsbereich mit seinem eleganten Ambiente.
Der Eingangsbereich mit seinem eleganten Ambiente.

 

 

Während das oberste Stockwerk privat genutzt wird, haben das Untergeschoss, das Erdgeschoss und der erste Stock des Geschäftshauses öffentlichen Charakter. Eine natürliche Durchmischung von Mitarbeitenden, Gästen, Kunden und Familie ist erwünscht. Die unteren Räumlichkeiten bieten sich auch für Events unterschiedlicher Natur an. «Das Haus Balma sehen wir mehr als Begegnungsort, mehr als Kunsthaus denn als Geschäftshaus. Es ist unser Beitrag zu einem weltoffenen Dorf in den Bündner Bergen», sagt Pius Truffer.

  

 

Samstag, 19. Juli  2022 / Quelle: NZZ

 

 

 

 

 

Das versunkene Dorf wird lebendig

1920 hat Johann Josef Jörger die Dialektgeschichte «Dr hellig Garta» publiziert. Ein Stück Kulturgut aus Vals – das dank einer Neuauflage die Lesenden von heute wieder in die Welt des alten Zervreila eintauchen lässt.

 

Turm und «Hoora»: Eine Aufnahme unbekannten Datums zeigt das alte Zervreila mit der Kirche, wie sie der legendäre Valser Kaplan Rüttimann noch erlebt haben dürfte.
Turm und «Hoora»: Eine Aufnahme unbekannten Datums zeigt das alte Zervreila mit der Kirche, wie sie der legendäre Valser Kaplan Rüttimann noch erlebt haben dürfte.

«Jetz ischt uf eimaal e touba Luft dür ds Tälli gganga. Er het d Palggabritter offa und zuo gchnätscht, dasch in de Angla gritschget heint, hed in de Gwättena pfiffa und gchüünet, het Sand vam Rii uufzwirbblet und mit dm Chömiruoss zämma ds Taal uss bblaaset.» So liest es sich, wenn Johann Josef Jörger (1860–1933) ein heraufziehendes Unwetter in Zervreila beschreibt – im einzigen Dialektroman, den es in Valser- und in Walserdeutsch überhaupt gibt. «Dr hellig Garta», erstmals veröffentlicht 1920, erzählt vom Leben – und vom Sterben – im abgeschiedenen Weiler, lange bevor er im Stausee versank. Eine Welt, die es so nicht mehr gibt, in die man inzwischen aber zumindest lesend wieder eintauchen kann, wenn man sich die für Aussenstehende nicht immer ganz einfache Dialektlektüre zutraut. Denn die Walservereinigung Graubünden hat das Buch des Schriftstellers und Psychiaters aus Vals erstmals seit über 100 Jahren neu aufgelegt, in einer überarbeiteten Fassung der Einheimischen Andrea Loretz Oesch. Sie hat das 180 Seiten starke Werk in die digitale Zeit transportiert, die Mundartschreibung an die heutigen Richtlinien angepasst und ein Dialektglossar angefügt.

 

Kampf um den Gottesacker

Wer sich auf Jörgers Prosa einlässt, wird mit einem Schatz an Geschichten aus dem einst ganzjährig bewohnten, später aber zum Sommerdörfchen geschrumpften Zervreila belohnt. Geschickt verwebt Jörger Sagen wie jene von den «Zwäärgli», die dem wackeren Landwirt Bäärtlema – Bartholomäus war der Schutzpatron der Kapelle von Zervreila – zwei «Müllischteina» schenken, mit dem Wirken des legendären Valser Kaplans Philipp Anton Rüttimann (1840–1920) im Weiler weit hinten im Tal. Es war der spätere Domherr Rüttimann, der den Leuten von «Zafreila» unter anderem den ersten eigenen Friedhof bei ihrem Kirchlein ermöglichte. Wie es dazu kam, ist eine der zentralen Episoden im Roman, der auch seinen Titel von diesem Ereignis bekommen hat – der «hellig Garta» oder eben «heilige Garten» ist der Gottesacker von Zervreila. Ihre Toten hatten die Leute aus dem Weiler zuvor jahrhundertelang zur Beerdigung ins Lugnez überführen müssen, auf einen Friedhof, der weit weg war und zu dem die Verstorbenen in der Regel gar keinen Bezug hatten. «Was das für en Ornig wää, wenn en jeda Hoff schiins Fridhöffli hä wetti», so hatte man dem Kaplan zuerst Bescheid gegeben, als er sich bei der Obrigkeit für einen «hellig Garta» in Zervreila einsetzte.

 

Für Vals eine prägende Figur: Kaplan Philipp Anton Rüttimann (1840–1920), hier angetan mit den Insignien seiner Domherrenwürde.
Für Vals eine prägende Figur: Kaplan Philipp Anton Rüttimann (1840–1920), hier angetan mit den Insignien seiner Domherrenwürde.

Doch dann stirbt im Weiler das Madleni, eine alte Frau. Es ist Winter, aber die Tote muss «ds Loch uss» gebracht werden. Auf halbem Weg müssen die Männer des vielen Schnees wegen aufgeben, den Sarg deponieren sie vorübergehend im «warma Chracha», einem schneefreien Felsspalt. In der gleichen Nacht stapft auch der Kaplan von Vals nach Zervreila für die Messe am nächsten Morgen, und er schlüpft schliesslich unterwegs erschöpft in den «Chracha» – wo er auf das tote Madleni im Sarg trifft und mit ihm Zwiesprache hält, bevor er einschläft. Er weiss: Die Frau würde in Zervreila begraben werden wollen, nicht im Lugnez. Als er am folgenden Morgen nach der Messe im Kirchlein hört, ein Engel habe einem Mädchen vergangene Nacht im Traum den Ort für einen Friedhof gezeigt, lässt er Taten folgen: Madleni, aus dem «Chracha» zurückgeholt, wird zur Ersten, die ein Grab in Zervreila bekommt. Und von da an haben die «Zavreiler» ihren «hellig Garta», der Obrigkeit zum Trotz.

 

Vorboten des Verschwindens

Doch mögen sich die Leute im Weiler auch vieles erkämpft haben: Sie verlieren später vieles wieder. Davon erzählt Jörger ebenfalls, und es gelingt nicht einmal dem Kaplan, den Gang der Dinge umzukehren. Letztlich sind die Ereignisse Vorboten des endgültigen Verschwindens von Zervreila, auch wenn dies erst Jahrzehnte später erfolgen wird. Jörgers Erzählung hingegen bleibt, und dank der Aktion «Vals liest ein Buch» der Schul- und Gemeindebibliothek hat sich die Neuauflage der alten Geschichte bereits wieder einen Platz im Bewusstsein der Valserinnen und Valser gesichert. Zervreila ist von Neuem in Erinnerung. Und ein für die walserische Mundartliteratur wichtiges Kulturgut in die Gegenwart gerettet.

 

 

Samstag, 09. Juli  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

 

 

Valser Mineralwasser-Flaschen ohne Etikett

Um Verpackungsmaterial zu reduzieren, bringt Valser eine «Label-Free»-Flasche auf den Markt, die ohne Etikett oder Aufkleber auskommt. Produktinfos und Barcode werden direkt auf die Flasche eingeprägt respektive den Deckel aufgedruckt. Auf dem Schweizer Getränkemarkt ist das eine Besonderheit.

 

 

 

 

 

2019 führte Valser 100 Prozent rPET ein. Nun geht die Marke in Sachen Kreislaufwirtschaft mit einem Pilotprojekt einen Schritt weiter: Mit der neuen Verpackungsgrösse von 750ml lanciert sie gleichzeitig auch eine Flasche, die gänzlich ohne Etikett oder Aufkleber auskommt. Valser nehme damit erneut eine Vorreiterrolle ein, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Flasche ohne Etikett ist nicht nur eine Besonderheit im Schweizer Getränkemarkt, sondern setzt hinsichtlich Nachhaltigkeit neue Massstäbe.

 

Puristisches Design 

Die neue Flasche kommt in einem schlichten, aber frischen Design daher und besteht wie das gesamte Valser- Sortiment aus 100 Prozent in der Schweiz rezykliertem PET (rPET). Anstatt auf einer Etikette aufgedruckt sind das Branding und die Produktinformationen in die Flasche eingeprägt. Der für den Verkauf notwendige Barcode wiederum wird auf den Deckel gedruckt. «Die neue Flasche kommt besonders puristisch daher», lässt sich Vincent Rameau, General Manager Schweiz, in der Mitteilung zitieren. «Dennoch ist sie unverkennbar Valser. Die Flasche ordnet sich wunderbar in das Gesamt-Sortiment ein.» 

 

Weniger Verpackungsmaterial, mehr Nachhaltigkeit 

Die neue Flasche besteche nicht nur durch das Design. Sie ist auch Ausdruck des umfassenden Nachhaltigkeits-Engagements von Valser, heisst es weiter. So engagiere sich die Marke mit verschiedenen Initiativen gegen Plastikmüll und Klimawandel. Dazu zählt mitunter, dass sie von der Quelle bis zum Verkaufspunkt klimaneutral ist und für einen Teil der Kohlensäure CO2 verwendet, das Climeworks aus der Luft filtert. «Mit dem Etikett-Verzicht gelingt es uns, die Menge an Verpackungsmaterial weiter zu reduzieren. Dies bedeutet weniger Abfall und weniger CO2. Valser überwindet mit dieser Innovation eine weitere Hürde in Richtung vollständiger Kreislaufwirtschaft», so Rameau.

 

Valser Prickelnd, Still und Still Calcium & Magnesium in 750ml ohne Etikett sind ab sofort bei Valser Service, Qwell Express sowie ausgewählten Supermärkten und Verkaufsstellen erhältlich. Auch wenn die Verpackungsinnovation vorerst nur in einem Teilsortiment auf den Markt kommt, misst ihr Valser grosses Potenzial bei, um den gesamten Getränkemarkt zukünftig nachhaltiger zu gestalten, heisst es schliesslich. Es gelte «weniger ist mehr» – weniger Verpackung, mehr Nachhaltigkeit.

 

 

Dienstag, 21. Juni  2022 / Quelle: persoenlich.com

 

 

 

 

Wie der Frieden über Vals kam

Jahrelang haben sie erbittert um das Thermalbad von Vals gekämpft. Nun fanden Gemeinde, Investor Remo Stoffel und Bürgervereinigung einen Kompromiss. Über einen Dorfstreit, der ein erstaunlich gutes Ende fand.

 

Wellnessen für Stilisten: Im Innern der denkmalgeschützten Therme von Vals.
Wellnessen für Stilisten: Im Innern der denkmalgeschützten Therme von Vals.

Schluss, fertig, aus. Die Handkante saust auf den dicken Holztisch nieder. «Wir sind nicht das Jüngste Gericht. Irgendwann müssen wirs auch mal ruhen lassen», sagt Peter Schmid. Der Publizist und
einstige Präsident des Projekts Felsentherme ist Sprecher und treibende Kraft der «Gruppe besorgter Stimmbürgerinnen und Stimmbürger». Er spricht vom Moment, als sie ihren Kampf aufgaben. «Aufgeben durften.» 

 

Die Therme gehört seit der Gemeindeversammlung Anfang April wieder den Valserinnen und Valsern. Für einen Franken konnte sie gekauft werden. Remo Stoffel, der Investor, hatte sie zurückgegeben. Die Abstimmung in der Mehrzweckhalle fiel einstimmig aus. Auch Schmid hat Ja gesagt, sogar eine Rede halten dürfen. Kernaussage: Vergangenes ruhen lassen, zum Wohle des Dorfes. ««Heute bietet sich die Chance, dass wir wieder geeint in die Zukunft gehen.» Peter Schmid seufzt.

 

Die Gruppierung mit Peter Schmid hatte sich vor zehn Jahren zusammengetan, um den Bau aus 60’000 Quarzitsteinen zu schützen, wie sie selbst sagt. Die Therme war laut Schmid 2012 nach einem «Unfriendly Takeover», einer unfreundlichen Übernahme, in die Hände des Investors Remo Stoffel geraten. Die besorgten Stimmbürgerinnen und Stimmbürger befürchteten, dass das Bad zum Spekulationsobjekt werden würde. «Dabei ist das doch unser Bad, unser Wahrzeichen.»

 

«Dabei ist das doch unser Bad, unser Wahrzeichen»: Aktivist Peter Schmid, Vals.
«Dabei ist das doch unser Bad, unser Wahrzeichen»: Aktivist Peter Schmid, Vals.

Jedes Mal, wenn Peter Schmid durch die kleinen, quadratischen Fenster seines jahrhundertealten Bauernhauses hinausblickt, sieht er sie drüben auf der anderen Talseite dampfend am Hang, zwischen uralten Lärchen.

 

Peter Zumthor hat das Bad 1996 für knapp 30 Millionen Franken erbaut. Es ist ein Designklassiker, für den Fans aus der ganzen Welt in die Bündner Berge pilgern. Die «New York Times» hat das Valser Thermalbad kürzlich zu einem der 25 bedeutendsten Bauten der Nachkriegszeit erkoren.

 

Leuchtturm und Zankapfel

Es gibt wohl kein Dorf, das so eng mit seinem Bad verknüpft ist: grösster Arbeitgeber, touristischer Leuchtturm – Zankapfel. Und es gibt wohl kaum ein Bergdorf, über dessen Dorfstreit so ausführlich berichtet wurde. Das hat viel zu tun mit den Figuren, die auftraten und beide das Gleiche wollten: das Thermalbad kaufen. Auf der einen Seite der Stararchitekt Peter Zumthor, Schöngeist, Künstler, der sich zum Wohl seines Œuvre gewinnen liess. Und auf der anderen Seite Remo Stoffel, Sohn des Dorfes, Geschäftsmann mit umstrittenem Ruf. Einer, der mit Immobilien zu Reichtum gekommen ist. Wie genau, weiss niemand. Er habe immer mit eigenem Geld gewirtschaftet, behauptete Stoffel stets. 

 

Am 12. März 2012 fand in der rappelvollen Mehrzweckhalle von Vals die Abstimmung statt. Es ging um die Zukunft der Therme und damit auch des Dorfes. Die Stimmung war entsprechend aufgeheizt. Die Voten: gehässig.

 

Remo Stoffel, Investor und Inhaber des Thermen-Hotels 7132.
Remo Stoffel, Investor und Inhaber des Thermen-Hotels 7132.

Stoffel gewann. Mit 290 zu 220 Stimmen. Er konnte das Bad und das in die Jahre gekommene Hotel kaufen. Das Bieterverfahren soll nicht transparent abgelaufen sein, behauptete die Gegenseite. Vor allem sei der Kaufpreis von gut 7 Millionen Franken viel zu tief gewesen. Peter Schmid und seine Mitstreitenden traten auf den Plan, schrieben fortan gegen die unfreundliche Übernahme an. Und klagten. Insgesamt sechs Verfahren wurden eröffnet, teils bis vors Bundesgericht gezogen. Doch keines dieser Verfahren sollte zugunsten der Kläger ausfallen.

 

Grabenkämpfe im Dorf

Während Jahren blieb Vals so in den Schlagzeilen. Mal gab es eine Strafuntersuchung des Kantons, mal sorgte Stoffel für Schlagzeilen. Vor allem dann, als er von einem 380 Meter hohen Turm fabulierte. Im Dorf fanden die einen das Projekt mutig, die anderen absurd. Es gab Grabenkämpfe im Dorf mit seinen 1000 Einwohnern, mitten durch Familien hindurch. 

Was sagt der Umstrittene selbst? Remo Stoffel lebt mit Frau und vier Kindern in Dubai. Dort, wo Business und Opportunities gross sind. Aus der arabischen Metropole schreibt er, dass alle Vorwürfe gegen ihn sich als gegenstandslos erwiesen hätten. «Die Ängste und Befürchtungen waren unbegründet.»  

 

Zurück nach Vals, zurück in die Zeit nach der Abstimmung. «Die Atmosphäre war damals vergiftet», sagt Peter Schmid. Manche Leute wollten ihn steinigen, ihm das Haus anzünden. Solche Äusserungen habe es gegeben, erzählt er. Schmid nahms hin und kämpfte weiter. Gegen die unfreundliche Übernahme, gegen Remo Stoffel. «Es war aber nie persönlich gegen ihn, mir gings immer nur um die Sache.» 

Dabei wollte die Mehrheit im Dorf schon längst wieder Frieden. So sagt es der Gemeindepräsident Stefan Schmid, nicht direkt verwandt mit Peter Schmid. Seit 2012 ist er im Amt, kurz nach der hitzigen Gemeindeversammlung also. Heute sagt er: «Die Valser müssen zusammen auskommen.» In einer kleinen Gemeinschaft wie hier komme man nur vorwärts, wenn man zusammenspanne. Die Valser, Deutsch sprechende Katholiken in protestantischen, rätoromanischen Landen, gelten als dickköpfig. Aber auch als pragmatisch.

 

Die typischen Steindächer sind in Vals Pflicht.
Die typischen Steindächer sind in Vals Pflicht.

Die Valser rauften sich nach schwierigen Jahren zusammen. 2017 war der Umbau von Stoffels Hotel beendet. Es ging bergauf, die Übernachtungen im Fünfsternhaus nahmen zu. Die Gemeinde sprach mit Remo Stoffel. «Es waren lange, harte Verhandlungen», erinnert sich Gemeindepräsident Schmid. Es ging dabei um die Öffnungszeiten, die Eintrittspreise.

Während die Gemeinde ein Bad für alle wollte, pochte der Investor auf beschränkte Gästezahlen, auf Exklusivität für die Gäste des Hotels. 

 

«Systemrelevante Einrichtungen von öffentlichem Interesse,

die privat betrieben werden – ein klassischer Interessenkonflikt.»

Roland Lymann, Hochschule Luzern

 

«Das ist natürlich der klassische Interessenkonflikt für solche touristische Betriebe», sagt Roland Lymann von der Hochschule Luzern. Der Dozent für Gesundheitstourismus spricht von systemrelevanten Einrichtungen, die privat betrieben werden, aber von öffentlichem Interesse sind. Auf grosse Gästefrequenzen kann der abgelegene Bergort nicht setzen. «Bleibt demnach noch das margenstarke Luxussegment.» Wie man das dann zusammenbringe, sei dann eben, so Lymann, die Frage, die es zu klären gelte: «Das geht nur mit Kompromissen von beiden Seiten.»

 

Lösung: Mittelweg

In Vals haben sie offenbar genau diesen Mittelweg gefunden. An 270 Tagen im Jahr ist das Thermalbad offen für alle. Die Eintrittspreise allerdings sind höher als bei der Abstimmung zum Verkauf in Aussicht gestellt. «Damit können wir aber leben», sagt Gemeindepräsident Schmid.

Remo Stoffel ist weiterhin für Betrieb und Unterhalt zuständig. Er bleibt Chef des wieder gut laufenden Hotels und des ständig ausgebuchten Bads, bekommt aber eine Stiftung zur Seite gestellt. Mit dabei: Architekt Peter Zumthor, Stoffels einstiger Widersacher.

 

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat die Therme gebaut.
Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat die Therme gebaut.

«Damit können auch wir gut leben», sagt Aktivist Peter Schmid. Und Stoffel selbst? Anruf aus Dubai. Er meldet sich schliesslich doch telefonisch. Zur neuen Stiftung mit Peter Zumthor sagt er: «Finde ich gut. Habe ich ja 2012 selbst initiiert.» Und zum Kompromiss, diesem für viele überraschenden Happy End, sagt er: «Es wird einfach nur der Vertrag gemäss Abstimmung 2012 umgesetzt. Hotel und Therme bleiben eine Einheit, wir verzichten auf Hypotheken und Spekulationsgewinne auf der Therme.»

 

Und dann erzählt Remo Stoffel von den 120 Millionen Franken, die er ins Hotel investiert haben will. Für ihn ist das keine geschäftliche Opportunity. Von den 7 Millionen Franken, die er einst fürs Hotel und die Therme gezahlt hat, ist noch ein einzelner Franken zurückgekommen. «Klar, ein Hotel ist bestimmt nicht das attraktivste Investment. Aber wer in den Tourismus investiert, braucht Passion, Geduld und Ortsverbundenheit. Und ich bin ein Valser.»

Mit Peter Schmid hat er Frieden geschlossen. Im letzten Sommer waren sie zusammen auf seinem Maiensäss, haben getrunken, debattiert, danach auf der Terrasse von Stoffels herausgeputztem Thermen-Hotel 7132 bis um vier Uhr morgens weitergemacht.

Da der Aktivist, dort der Investor. Beide Valser. Und vor sich das dampfende, leuchtende Bad.

 

 

Samstag, 23. April  2022 / Quelle: Tagesanzeiger

 

 

 

Sendung Schweiz Aktuell vom 08.04.2022

Ukraine-Krieg: Geflüchtete in Gefahr, Vals GR: Therme bald wieder in Gemeindebesitz, Schweiz-Französinnen und -Franzosen im Wahlkampf

 

Gemeinde Vals kauft berühmte Therme zurück - für einen Franken

Das Bündner Bergdorf Vals holt sich von Investor Remo Stoffel «seine» Therme zurück - für den symbolischen Preis von einem Franken. Am Freitagabend hat die Gemeindeversammlung den Modalitäten zugestimmt. Wieder mit an Bord ist Therme-Architekt Peter Zumthor.

 

 

Die Gemeinde Vals kauft die berühmte Felsentherme für einen symbolischen Franken von Immobilienunternehmer Remo Stoffel zurück.
Die Gemeinde Vals kauft die berühmte Felsentherme für einen symbolischen Franken von Immobilienunternehmer Remo Stoffel zurück.

Die Valser Bevölkerung stimmte einstimmig für den Rückkauf. Demnach holt sich die Gemeinde die berühmte Felsentherme von Remo Stoffel und seiner Priora Suisse AG für einen Franken zurück und führt sie in eine gemeindeeigene Stiftung über. Immobilienunternehmer Stoffel behält das Nutzungsrecht an der Therme aber auch die Verpflichtung, sämtliche Kosten und Risiken von Betrieb und Unterhalt zu tragen. Weiter wurde vereinbart, dass die Therme für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben muss und nicht etwa nur für Gäste des Therme-Hotels.

 

Die Möglichkeit, das Bad für eine symbolischen Betrag zurückzukaufen, war bereits 2012 im Vertrag mit Stoffel vorgesehen, als ihm die Gemeinde das Thermalbad zusammen mit dem Therme-Hotel für 7,8 Millionen Franken verkaufte. 2017 beschlossen die Valser, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Doch erst jetzt, nach jahrelangen und laut dem Gemeindevorstand schwierigen Verhandlungen, war das Geschäft spruchreif.

 

Bestand der Therme gesichert

Einfluss auf den Betrieb des Thermalbades werden die Valser zwar auch nach dem Rückkauf kaum haben. Sie erhalten aber Sicherheit, dass die Therme weiterbesteht und dass sorgsam mit der denkmalgeschützten Architekturperle umgegangen wird. Bauliche Veränderungen müssen vom Stiftungsrat bewilligt werden. Sollte der Betrieb eingestellt werden - und sei es nur vorübergehend - haben Stiftung und Gemeinde das Recht, die Felsentherme selber zu betreiben.

 

Mit dem Rückkauf werde sein Vorschlag anlässlich der Abstimmung vor zehn Jahren - endlich - umgesetzt, schrieb Stoffel auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er habe mit diesem Vorschlag den Valsern die Angst nehmen wollen, dass ein Privater mit der Therme «schnöde Spekulationsgewinne einstreicht».

 

Zumthor im Stiftungsrat dabei

In dreiköpfigen Stiftungsrat mit dabei ist auch Therme-Schöpfer Zumthor, zusammen mit je einem Vertreter von Gemeinde und Bündner Heimatschutz. Der Stararchitekt soll laut dem Gemeindevorstand die «Bewahrung des berühmten, denkmalgeschützten Bauwerks aus erster Hand gewährleisten». Gleichzeitig hilft sein Engagement, die letzten Gräben im Bergdorf füllen, die der Verkauf der Therme 2012 aufgerissen hatte.

 

Zum Verkauf hatte sich Vals damals entschlossen, weil es notwendige Millionen-Investitionen in die Infrastruktur des 1996 eröffneten Bades nicht stemmen konnte. In der Folge kämpften Zumthor und Stoffel intensiv um den Zuschlag der Gemeinde. Der bisweilen gehässige Abstimmungskampf spaltete das Dorf in zwei Lager. Schliesslich gab die Gemeindeversammlung Stoffel den Vorzug.

 

Gespaltenes Dorf

Ruhe kehrte nach dem Verkauf im Dorf nicht ein. Ein Teil der Bevölkerung rund um die «Gruppe besorgter Valser» konnte sich mit dem Verkauf an den zwar einheimischen, als Unternehmer aber umstrittenen Stoffel nicht abfinden. Viele konnten zudem nicht leben mit der Abkehr von Therme-Übervater Zumthor.

In der Folge mussten sich das Bundesgericht, die Geschäftsprüfungskommission des Bündner Parlaments und die Staatsanwaltschaft mit dem Verkauf befassen. Keine der Instanzen beanstandete das Geschäft. Danach glätteten sich in den letzten Jahren die Wogen in Vals etwas.

 

Dass die Therme nun wieder den Valsern gehört und Therme-Schöpfer Zumthor wieder mit von der Partie ist, dürfte die Gemüter weiter beruhigen. «Ich hoffe, dass dieser Schritt dazu beiträgt, die letzten Gräben im Dorf zu füllen», sagte Gemeindepräsident Stefan Schmid zu Keystone-SDA. Der Rückkauf der Therme habe einen versöhnlichen Aspekt.

 

Freitag, 8. April  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 

«Es ist doch sehr schön, wenn man mich für diese Aufgabe anfragt»

Was sagt der Schöpfer der Valser Felsentherme zum geplanten Rückkauf des Thermalbads durch die Gemeinde? Sein Fazit ist klar: Vals kann guten Gewissens Ja sagen zur präsentierten Vorlage.

 

Als Stiftungsrat mit dabei: Architekt Peter Zumthor begrüsst die aktuelle Entwicklung rund um die von ihm geschaffene Valser Therme.
Als Stiftungsrat mit dabei: Architekt Peter Zumthor begrüsst die aktuelle Entwicklung rund um die von ihm geschaffene Valser Therme.

 

 

Herr Zumthor, ist Vals nun in Sachen Felsentherme auf dem richtigen Weg?

Die vorgesehene Lösung ist aus meiner Sicht eine gute Sache. Man hat lange darauf gewartet, dass der Rückkauf und die Einbringung der Felsentherme in eine Stiftung der Gemeinde umgesetzt wird. Ich halte es für eine sehr gute Entwicklung.

 

Trotz der nicht nur friedlichen Vorgänge beim Thermehotel-Verkauf vor zehn Jahren stellen Sie sich heute als Stiftungsrat zur Verfügung. Weshalb?

Ich bin gerne bereit, zur Felsentherme zu schauen und mich als Stiftungsrat zu engagieren. Es ist doch sehr schön, wenn man mich für diese Aufgabe anfragt. Seit den Jahren der Auseinandersetzung um das Valser Thermenhotel ist genügend Zeit verstrichen. Bereit bin ich auch zu fachlicher Unterstützung, ich habe das in den letzten Jahren bereits gemacht, wenn Remo Stoffel mich betreffend Felsentherme um Rat gefragt hat.

 

Sie haben die Bündner Heimatschutz-Geschäftsführerin als zweite Stiftungsrätin vorgeschlagen. Was hat Sie dazu bewogen?

Ludmila Seifert ist für diese Aufgabe die richtige Person aus der richtigen Organisation. Ich denke, zusammen mit dem Vertreter der Gemeinde ergibt das eine gute Kombination im Stiftungsrat.

 

Würden Sie der Gemeindeversammlung von Vals empfehlen, der geplanten Lösung am 8. April zuzustimmen?

Ja, das würde ich. Die Valserinnen und Valser können guten Gewissens Ja sagen zu dieser Vorlage. Vielleicht ergibt sich mit dieser neuen Konstellation auch die Möglichkeit, die Therme in Bezug auf die Öffnungszeiten und die Gestaltung der Eintrittspreise wieder etwas näher an das Volk zu bringen. 

  

Donnerstag, 24März  2022 / Quelle: Südostschweiz

 

 

 


 

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Vertretung 7132 AG: Petra Lechthaler

 

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